Full text: (Neueste Folge, Band 3 = 1836, No 17-No 24)

Neueste Bibliographie. 127 
und unbebaut lasst, wird gie die Vorwürfe verdienen, einer allseitigen festen 
Grundlage zii entbehren, und wird es andererseits dem Unsinn, der Verkehrt 
heit , der Habsucht und Ruhmsucht, überhaupt der Charlatanerie vergönnt 
seyn, abgeschmackte neue Lehrgebäude anbringen zu können. Nun ist zwar 
freilich nicht jede physiologische Behauptung eine Bereicherung dieser Wissen 
schaft, aber sie fuhrt doch immer zur Untersuchung, und aus dieser wird endlich 
die Wahrheit gewonnen. Darum verdient das vorliegende Schriftchen um so 
mehr willkommen geheissen zu werden, als darin die dem lief, neue und 
zwar sehr wichtige Ansicht aufgestellt ist: „dass der Zweck der Blntkügel- 
„chen, wie der Verf. will, darin bestehe, an der Grenze des Arterien- und 
„Venensystems, also da, wo der Stoffwechsel vor sich geht, die verbrauch 
ten, anszu,scheidenden Stoffe an sich zu nehmen, sie durch die Vene hin- 
,,durchzuführen, und, in den Lungen während, und durch die Respiration auf 
„die bekannte Weise als verkohlt der Aussenwelt zu überliefern.“ Ref. er 
scheint der Gedanke sehr einfach und natürlich,' ob er aber auch bei deu 
vielen Ausscheidungsorganen, in welche das Venensystem eine Menge, so 
wohl noch brauchbarer als unbrauchbarer Stoffe ablagert, erschöpfend ist, 
bleibt eine andere Frage,- immer jedoch ist er ein hellglänzender Wegweiser 
zu neuen Forschungen, Die übrigen physiologischen Ansichten sind grossen- 
theils gesund, bisweilen aber auch etwas flatterhaft, unreif und absprechend. 
Denn es kommt dem Verf, allenfalls nicht darauf an, eine wichtige Frage 
mit der Antwort abzuweisen: „das brauchen wir nicht zu wissen,“ und die 
Ahnungen eines „Gewend“ lassen sich nicht mit Achselzucken abfertigen. 
Der Ausflug in die Anatomie ist, wie der Titel sagt, humoristisch; der in 
die Medicin behandelt die Gründe zum Aderlass, und wir würden diesen 
Artikel dürftig nennen, wenn wir nicht seinen speciellen Werth in dem Be 
streben zu einer physiologischen Motivirung'des Blutlassens fänden. Was die 
Form anlangt, so könnte inan sagen, dass der Verf. seihst darüber den Stab 
gebrochen, w r eil er sich oft genöthigt gesehen habe, sie da, wo sie für den 
betreffenden Gegenstand unzureichend schien, zu verlassen. Aber diese An 
sicht wäre wohl falsch. Der Verf. schrieb die Aufsätze einzeln und zu ver 
schiedenen Zeiten, und als er sie veröffentlichen wollte, setzte er sie bunt 
zusammen. Darüber wollen w T ir aber mit dem Verf. nm so weniger rechten, 
als die Form es gerade ist, die dem Biichelchen reichliche Leser verspricht, 
die es auch verdient, denn da gegenwärtig medicinische Schriften nicht allein 
von Aerzten, sondern auch von Laien gelesen werden, so dürfte es wohl 
Viele geben, welche eine Reise durch den menschlichen Organismus z n m 
Vergnügen zu machen beabsichtigen, und Solchen besonders empfehlen 
wir den Cercaria als jugendlichen, muntern und launigen Wegweiser, der ain 
Ende seiner Reise so ausgelassen wird, dass wir darüber den Schleier 
der Heimlichkeit ziehen zu müssen glauben. 
Die Krankheiten des Herzens, nach dem Franz, des J. 
Bouillaud, Prof, der innern Klinik an d. medic. Facnlt. 
zu Paris, deutsch bearbeitet und mit Zusätzen herausgeg. v. 
Dr. Alfr. Fad. Becla-. Leipzig. 1836. Verlag vunWut- 
ticli. I. Band. 
Her Uebersetzer hat btji Bearbeitung dieses Werkes, dessen Original 
dem verdienstvollen Bouillaud einen unvergänglichen Namen sichert, so 
wohl auf die möglichste Kürze, als auf Ergänzung einiger fühlbaren Lücken 
des französischen Textes Rücksicht genommen, und deshalb ausser einer ta 
bellarischen Uebersicht der Resultale über Messung und Wägung des Iler- 
z tms den Abschnitt über die Tlieorieen der normalen Herzgeräusche völlig 
’ungearbeitet, die fehlenden Theorieen nachgetragen und sogleich mit den 
betreffenden Kritiken verbnnden. Oie im eigentlichen Abschnitt der Herz- 
branki, e i( e „ gegebenen Zusätze tragen in Anmerkungen theils die Resultate 
noch neuerer Forschung nach, theils beziehen sie sich auf Erklärung raehre- 
rer > Wohl den meisten Lesern unbekannter Composita der französ. Pharrna- 
copöe. JOer erste Band enthält, wie der französ. Text die Anatomie, Phy-
	        
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