Full text: (Neueste Folge, Band 3 = 1836, No 17-No 24)

124 IV. Gynäkologie und Pädiatrik. 
thätigkeit wird immer stärker, sie äussert sich nicht mehr durch 
Wallen, sondern deutliche Palpitationen, diese vermehren sich 
bei der geringsten Körper - und Gemüthsbewegung, hören aber 
auch bei vollkommner Ruhe nicht auf, obgleich sie dadurch ver 
mindert werden. Man fühlt und sieht sie in der ganzen Aus 
dehnung des Thorax und sie beschränken sich nicht auf die 
linke Brusthöhle, sondern dehnen sich auch auf die rechte aus, 
ja sind hier gewöhnlich stärker, als links. Der Puls au der 
Handwurzel tritt in völlige Disharmonie mit der Bewegung des 
Herzens, ist anhaltend frequent, klein und schwach, und die 
Jugulalvenen klopfen stark, Intermissionen des Herzschlages oder 
Pulses aber hat T. nie wahrgenommen. Der Athmen wird ha 
bituell kurz und beengt, obgleich die Lungen ohne Anstrengung 
und Schmerz ganz voll Luft gefüllt w erden können, das trockene 
Hüsteln vermehrt sich und mit demselben wird zu Zeiten, we 
gen gestörter Circulation in den Capillargefässen, etwas Iiell— 
rothes Blut, doch ohne Schmerz, ausgeworfen. Das Gesicht 
wird blass, ja bleifarben, bald etwas aufgedunsen, das ganze 
Aussehen kachectisch, bald laufen die Knöchel an, die Haltung 
wird schlecht, die Kranken gehen nach vorwärts gekrümmt 
und liegen am liebsten auf dem Rücken mit erhabener Brust. 
Die Gemüthsstimmung wechselt, bald sind die Kranken miss- 
muthig, bald froh, doch findet sich immer ein hoher Grad von 
Eigensinn, sie achten sehr auf ihr Befinden, klagen aber eher 
zu wenig, als zu viel, der Arzt muss daher auf ihre Aeusse- 
rungen sehr aufmerksam seyn. Die Hautvenen der Brust sind 
sehr ausgedehnt und liegen wie blaue Striemen über dieselbe. 
Esslust und Ausleerungen bleiben lange ungestört. Ausgezeich 
net ist noch das häufige, heftige Niesen, woran die Kranken 
leiden, ohne dass darauf Schnupfen folgt. Allmählich wird die 
Abmagerung grösser, bei körperlicher oder Gemüthsbewegung 
treten wahre Erstickungszufälle ein, bis Wassersucht oder Tod 
durch Erstickung die langen Leiden endigt. — Als Belege zu 
der angeführten Darstellung kann der Verf. nur 2 Sectionen 
anführen. Bei beiden fand sich das Herz sehr vergrössert, in 
einem Falle gewiss von doppelter Grösse, die Wandungen des 
selben waren sehr verdickt, die trabeculae carneae und tnusc. 
■papilläres ungewöhnlich gross und stark, die Höhlen sehr er 
weitert , im Herzbeutel und den Pleurasäcken nahm man Wasser 
wahr und Hohlvenen und rechtes Herz waren mit dickem, 
schwarzem Blute überfüllt, ohne dass man sonst sichtbare 
Veränderung der Structur desselben, als nur grössere Dicke 
und Härte der Substanz selbst, bemerkte. Ob dieser Mas 
senzunahme chronische, schleichende Entzündung zum Grunde 
liege, oder ob sie selbstständig, und idiopathisch sei, will der 
Verf. nicht entscheiden, doch scheint Abwesenheit aller After 
gebilde, aller symphatischen Exsudate für letzteres zu sprechen. 
In Bezug auf die Praxis kann dies ziemlich gleichgültig seyn. 
Ueber die Behandlung kann T. nicht viel sagen. Ihm ist es
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.