Full text: (Neueste Folge, Band 3 = 1836, No 17-No 24)

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IV. Gynäkologie und Pädiatrik. 
rige Frau, die vor 18 Jahren ohne Schwierigkeiten geboren 
hatte, bemerkte 1831 nach anstrengenden Arbeiten Senkung der 
innern Geschlechtstheile, die nach einem halben Jahre zu einem 
Prolapsus uteri et vaginae ausartete. Da Pessarien dagegen 
nichts ausrichteten, so machte Fricke die Episiorhaphie, durch 
die aber keine völlige Vereinigung bis zum Bändeben erfolgte, 
sondern nur eine Brücke gebildet wurde, die nur 2 Eingänge 
in die Scheide von einander trennte. Dieser Missgestaltung un 
geachtet verheirathete sie sich und wurde 1834 schwanger, in 
welchem Zustande sie P. am 21. März untersuchte und Folgen 
des fand: die grossen Schamlippen bildeten in ihrer Vereinigung 
eine länglichtrunde glatte Geschwulst von grossem Umfange mit 
2 fast kreisrunden Oeffnungen deren hintere 2", die obere ly' 
im Durchmesser hatte und zwischen beiden fand sich eine 1|" 
breite und J dicke Brücke von weichen Theilen. Die Oeflnun- 
gen waren durch eine Menge vorgefallener Scheidewände aus 
gefüllt, die sich vorzudrängen strebten und die hintern Oelfnun- 
gen, gegen die sie besonders gerichtet waren, allmählich erwei 
tert hatten. In der obern Oelfnung wurden die kleinen Scham 
lippen gefühlt und dieser will sich der Mann immer zum Coitus 
bedient haben. Der Muttergrund stand zwischen Nabel und 
Herzgrube, der Muttermund war nicht zu erreichen und nur bei 
Starkem Hinaufdrängen der äussern Tlieile wurde der Kopf über 
dem Beckeneingange gefühlt. Am 16. Mai wurde P. gerulen, 
nachdem die Frau schon seit dem Abende vorher leichte Wehen 
verspürt hatte. Der Muttermund war reichlich 2" erweitert, 
der Kopf stand noch über dem Eingänge des Beckens und die 
Geburtswege waren gut vorbereitet. Nach 5 Stunden ging das 
Fruchtwasser ab und man fühlte den Kopf in der ersten Hinter 
hauptslage. Nach einigen Stunden legte P., da die Geburt zö 
gerte, die Zange durch die hintere Oelfnung an, führte den 
Kopf bis zum Einschneiden herunter und wartete dann, wäh 
rend die Kreissende auf die linke Seite gelagert war, das Wei 
tere ab. Die Wehen w urden nun sehr kräftig und der ziemlich 
grosse und feste Kopf brachte die Ränder der Rima in die äus- 
serste Spannung. Um daher eine Ruptur zu verhüten, machte 
Fricke mit dem Knopfbistouri auf jeder Seite der Spalte einen 
Einschnitt von etwa 2 Linien, und späterhin noch einen dritten 
an der rechten Seite und mehr nach vorn, worauf sehr bald der 
Kopf und nach wenigen Augenblicken auch der übrige Körper 
geboren wurde. Die Nachgeburt folgte bald und das Wochen 
bett verlief ganz gehörig. Die kleinen Schnitte w’urden wegen 
geringer Vitalität mit Bah. peruv. und Tinct. myrrh. bestrichen 
und nach mehreren Wochen, während welcher die Wöchnerin 
das Bett gehütet und Compressen mit J)ec. quere, aufgelegt 
hatte, befand sie sich wieder, wie früher, w'ohl. — Nach 
dem Mitgetheilten war sonach die Episiorhaphie selbst in diesem 
Falle, der, da die Vereinigung bis zum Frenulum nicht zu 
Stande kam, zu den weniger gelungenen gehörte, doch von
	        
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