Full text: (Neueste Folge, Band 3 = 1836, No 17-No 24)

III. Chirurgie und Ophthalmologie. 
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III. Chirurgie und Ophthalmologie. 
42. • Bedeutende Kopfverletzung; vom Kreisphys. Dr. 
Schnuhr in Gumbinnen. Ein 2Jjähriger athetisch gebauter 
Maurer fiel am 1. Juli v. J. von einem 40 Fuss hohen Gerüste 
auf das, mit losem Schutt und Erde bedeckte Strassenpflaster 
und blieb bewusst- und besinnungslos liegen. Bei Untersuchung 
gleich nach dem Falle fand sich kein Glied gebrochen und 
ausser einer etwa Zoll langen gequetschten Wunde an der 
Stirn, dicht über der Nase, keine Verletzung, Aus Nase, 
Mund und Ohren floss Blut, das Gesicht war roth aufgetrieben, 
die Lippen blau, der Kopf hatte alle Haltung verloren und fiel 
aut die eine oder die andere Schulter, je nachdem der Körper 
hier- oder dahin geneigt wurde, der Puls war voll, langsam, 
doch nicht hart, die Aug-enlider geschlossen und w’urde das 
Auge geöffnet, so erschien der Augapfel starr und wie die zu- 
sammeugezogene Pupille, unbeweglich. Bei geringster Berüh 
rung schrie der Verletzte laut auf, warf sich mit grosser Kraft 
hin und her und konnte während des Aderlasses nur mit Ge 
walt gehalten werden. Die Stirnwunde betraf nur die Haut: 
mit dem Messer erweitert, sah man weder Bruch, noch Fissur, 
noch Eindruck des Stirnbeins und eben so wenig entdeckte man 
an» abgeschorenen Schädel eine Verletzung. Ein Aderlass von 
2 Pfund änderte nichts, der Puls blieb voll, langsam. Eine 
Lösung von Natr. sulph. und Kali niir. konnte nur mit Mühe 
eingeflösst werden, da die Zahnreihen fest geschlossen waren, 
ein Klystier von Essig und kaltem Wasser, das, neben eiskal 
ten Umschlägen über den Kopt sogleich verordnet wurde, rief 
jedoch bedeutende Darmausleerungen hervor. Pat. schien den 
Trieb zur Ausleerung zu fühlen, denn er wollte vor derselben 
aufsteheu, doch fiel dabei der Kopf wieder auf die linke Schul 
ter und musste gerade gehalten werden. Nochmalige Untersu 
chung des Genicks Hess aber auch hier w eder Verrenkung, noch 
sonst Verletzung der Halswirbel wahrnehmen. Tags darauf 
wurde, da sich gar nichts gebessert iiatte und der Puls noch 
voll, langsam blieb, noch 1 Pfund Blut aus der Armvene weg 
gelassen und die erwähnten Mittel beibehalten. Bis zum 4. 
Tage konnte man den Verunglückten nur mühsam Arznei und 
etwas Suppe beibringen, auch blieben die Bulbi, vorzüglich 
der linke, nicht minder die Pupillen, unbeweglich. Doch hatte 
sich die grosse Empfindlichkeit verloren und man konnte den 
Pat. bewegen, selbst die iWunde berühren, ohne dass er 
so gellend und durchdringend, wie früher, aufschrie. So 
olieb Pat. noch zehn Tage und erst am fünfzehnten Tage 
nach dem Falle konnte er Mund und Augenlider ganz öffnen, 
hörte besser, wenn gleich noch immer schwer, sprach, zwar 
ang S am, doch zusammenhängend und betrachtete neugierig seine 
®gebungen. Des Falles erinnerte er sich, dass aber seitdem
	        
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