Full text: (Neueste Folge, Band 3 = 1836, No 17-No 24)

110 II. Materia medica und Toxikologie. 
1) chemisch wirkt es durch die Veränderungen in der Haut und 
durch den Einfluss der mittelst Aufsaugung und Endesmose in 
den Körper gedrungenen Bestandteile.. 2) mechanisch durch 
Druck und Schwere des den Körper umgebenden Medium, durch 
den gewaltigen Stoss des Wellenschlages und durch die erleich 
terte Entfernung der Hautabsonderung; 3) dynamisch durch 
die Wirkung der Kälte mittelst Wärmeentziehung, durch Ver 
mehrung der Contractilität und durch beinahe unmittelbare Be 
rührung der Nervenenden, welche die erhaltene Einwirkung 
nach den Centralorganen lbrtleiten, wonach die so kräftige fe 
brile Reaction hervorgebracht wird. — Dynamischen Einfluss 
hat zugleich der Genuss der Seeluft, *) welche höchst erquickend 
und belebend auf die Respiration einzuwirken scheint. (Dass 
die Luft in der Nähe der See auch chemisch von der Laudluft 
verschieden sei, haben Pfaff und Berzelius bewiesen.) Dass 
endlich auch der Besuch der Seebäder einen psychischen Ein 
fluss habe, der namentlich bei denjenigen der Kranken stark in 
Anschlag kommen muss, die, fern vom Meere geboren, den 
grossartigen Eindrücken fremd blieben, welche dasselbe in sei 
nen mannichfaltigen Zuständen bietet, das kann Niemand Jäug- 
nen, der nur irgend Erfahrungen über das psychische Leben 
hat. Der erste Anblick des gewaltigen Elements, die tägliche 
Beobachtung desselben und was sich daran knüpft, das unend 
lich mannichfaltige Leben in demselben, die Ausbeutung des 
Meeres durch die Menschen, der kühne und grossartige Ver 
kehr mit den Ländern aller Zonen, die Lebensäusserungen der 
See in Ebbe und FJuth, die ungeheure Aufregung im Sturm 
und die majestätische Ruhe der Windstille, Alles dies wird den 
Ungewohnten mächtig erregen, seinem Geiste unendlichen Stolf 
zum Denken bieten und seiner Phantasie eine reiche Welt er 
öffnen. — Und selbst die persönliche Berührung mit der See, 
kann nicht ohne psychische Wirkung bleiben. Jeden beinahe 
wandelt eine gewisse Furcht an, wenn er sich zum ersten Male 
ins kalte Bad begiebt, sich dem gewaltigen Stoss der Wellen 
und der schäumenden Brandung unter freiem Himmel, im An 
gesicht der Ungeheuern Wasserfläche, Preis giebt. Unnöthig 
scheint es die Rückwirkung des psychischen auf das physische 
Leben hier specieller auseinanderzusetzen. 
(Die Fortsetzung folgt im nächsten Hefte.) 
*) Jährlich finden »ich mehrere Bewohner der ostindischen und africani- 
' sehen Kolonien in Scheveningen ein, um den woblthätigen Einfliu« der 
vaterländischen Luit auf ihren geschwächten Körper zu erfahren.
	        
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