Full text: (Neueste Folge, Band 3 = 1836, No 17-No 24)

II. Materia medica und Toxikologie. 
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nach aussen Statt findet. Die Contraction der Faser trägt hier 
nicht wenig dazu bei die Blutbewegung zu befördern, indem 
sie sowohl die Muskelbewegung hervorruft und kräftigt, als 
auch die Elasticität und Contractilität des fibrösen Apparates im 
Gefässsystem steigert. Secundär wird der Blutuinlaiif bis ins 
Haargefässsystein erregt und belhätigt durch die febrile Reaction, 
welche sich kritisch durch die Vermehrung aller Hauptsecretio- 
nen entscheidet. Es bedarf nun nicht einer genaueren Nachwei 
sung, wenn mau sich erinnert, wie durch kräftigere Zusam 
menziehung im arteriellen System, durch gesteigerte Muskelthä- 
tigkeit und durch selbstständige Lumen-Veränderung die Bktt- 
bewegung in den Venen befördert und demnach die Aufsaugung 
vermehrt wird. Später und langsamer, aber nicht weniger 
sicher, theilt auch das Lymphsystem diese allgemeine Erhöhung 
der Thätigkeft, indem kräftige Aufsaugung und kritische Ab 
sonderung gleichen Schritt halten. Erwägt man nun ferner, 
wie nicht allein unmittelbar im Bade durch Endesmose das See 
wasser in den Körper aufgenommen wird und die kräftigsten 
Mittel, Chlor, Jod und Brom, den thierischen Säften beige 
mischt werden, sondern auch durch grössere Thätigkeit der As 
similationsorgane die Ernährung mit jnehr Energie vor sich geht, 
so wird es unzweifelhaft klar auf w elche Weise die bedeutend 
sten Wirkungen im vegetativen Theile des Organismus geschehn 
können. -— Den directesten Einfluss unter allen Organen er 
fährt die Haut durch die Seebäder. Schon der Druck des Was 
sers wirkt auf die Gefässe und Nerven der Haut, noch viel 
mehr aber die Kraft des Wellenschlags, welche gleich mächtig 
wie die Douclie das gesammte Hautorgan afficirt. Die reizenden 
Salztheilchen, welche unter beständiger Reibung die Haut affici- 
ren, welche nach dem Bade in den Poren und Falten der Haut zu- 
riickgelassen , einen bedeutenden chemischen Einfluss ausiiben, be 
fördern die Reinigung derselben von Secretionsstoffen und erregen 
hauptsächlich die erwähnte Wärme, Reaction und die nächtli 
chen Schweisse. Erinnert man sich nun des Consensus, in wel 
chem die äussere Haut mit den Secretionen der Leber und Darm 
schleimhaut , mit denen der Respirationsorgane steht, erinnert 
man sich des Einflusses der Hautkrisen auf gichtische rheumati 
sche Affectionen,'auf Stockungen im Lymph- und Venensysteme, 
so erklärt sich leicht die günstige Wirkung der Seebäder in den 
erwähnten Beschwerden. — Ob ein electrisch-galvanischer 
Process im menschlichen Organismus durch die Einwirkung des 
.Seewassers befördert werde, wie einige Schriftsteller behaupten, 
ist bis jetzt noch nicht ^tatsächlich erwiesen. — Auch auf ver 
schiedene Schleimhäute wirkt das Seewasser durch unmittelbare 
Berührung höchst wohlthätig, wie die zahlreichen Erfolge in 
.eukorrhöen beweisen. Aus allen diesen Auseinandersetzungen 
R e h| nun deutlich hervor, dass die ,Wirkungen des Seebades 
zu gleich chemischer, mechanischer und dynamischer Art sind:
	        
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