Full text: (Neueste Folge, Band 3 = 1836, No 17-No 24)

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II. Mater» medica und Toxikologie. 
Anspruch. Daher finde nun der Verfasser dieser Zeilen Ent 
schuldigung, wenn er der mächtigen Anregung nicht wider 
stand und an der Rüste von Holland einige Beobachtungen für 
das Summarium sammelte. — Wenn nun während des Aufent 
haltes in Scheveningen die günstigen Wirkungen des Seebades 
in sehr verschiedenen Krankheiten häufig beobachtet, die be 
deutendsten Einwirkungen desselben auch am gesunden Kör 
per wahrgenommen wurden, so musste sich nothwendig dem 
Nachdenken Mancherlei über die eigentliche Wirkungsart der 
Seebäder aufdrängen. Es sey mir daher erlaubt, dasjenige mit- 
zutheilen, was mir unter den verschiedenen Ansichten über 
diesen Gegenstand als praktisch wichtig sich zu bewähren 
schitn. Voran schicke ich eine getreue Aufzählung der wäh 
rend der Erst Wirkungen am eigenen Körper beobachteten Erschei 
nungen und derjenigen in der Nachwirkung auftretenden, die 
ich an Andern bemerkt habe. Das Seebad erzeugt in den er 
sten Momenten, wie alle kalte Bäder, ein Gefühl von Kälte, 
Schauder, Zusammenziehung der Haut, Neigung zum Uriniren, 
allgemeine Abnahme der Temperatur des Körpers, Beängsti 
gung in der Herzgrube und Herzklopfen , der Puls wird häufi 
ger, schneller, sehr klein und härtlich. Alle diese Symptome 
des ersten Eindruckes verlieren sich nach und nach, selbst wenn 
man sich ruhig in der See verhält, schneller aber, w enn man starke 
Bewegungen, durch .Schwimmen etc. vornimmt. Es tritt dann 
bald ein angenehmes Wärmegefühl ein, die Temperatur der 
Haut erhöht sich allmählig, der Puls wird seltener, langsamer, 
weicher und grösser, die Circulation geht gleichmässiger nach 
der Peripherie aller Organe, namentlich des Hautorgans und 
bringt dadurch ein grosses Wohlgefühl hervor. Verlässt man 
das Bad nach einer Viertelstunde, so beglückt Einen das an 
genehme Wärmegefühl, ja es steigert sich nach gehörigem Ab 
trocknen und bei einiger fortgesetzter Körperbewegung auffal- 
lend. Man wird während des Abtrocknens bemerken, dass die 
Haut sich einer weit grossem Menge von fettiger Absonderung 
entledigt, als nach einem Bade im gewöhnlichen Wasser. Das 
Auffallendste unmittelbar nach dem Bade bis etwa eine Stnnde 
nach demselben, w T as Jedermann erfährt, ist der feuchte, kleb 
rige Ueberzug, der selbst nach dem sorgfältigsten wiederholten 
Abtrocknen auf der Haut bemerkbar ist, mehr bei weicher und 
voller, als bei straffer und magerer Haut. Dieser Ueberzug 
zeigt sich am deutlichsten an den der Luft ausgesetzten Haut 
stellen , findet jedoch über die ganze Epidermis hin Statt und 
ist offenbar sowohl der chemischen Einwirkung und der Ver 
änderung der über und in die Epidermis abgelagerten Salztheile, 
als auch einer stärkern Absonderung des Hautorgans selbst zu- 
zuschreiben. — Am Abend kommt es nun im Körper zu einer 
vollständigen Reaction gegen den Bad-Eingriff. Die Haut ist 
trocken und rotli, die Wärme derselben nimmt zu, lästiger
	        
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