Full text: (Neueste Folge, Band 3 = 1836, No 17-No 24)

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I. Pathologie, Therapie und medicinische Klinik. 
rung und verschiedenen Sinnestäuschungen, mit anfänglichem 
Zittern der Hände und später des ganzen Körpers. Auch S. 
kann der Ansicht des Dr. Cless beislinimen, dass diese Un 
terscheidung wahr und der Natur ganz getreu ist. Ein nach 
. Monaten tödtlicli abgelaufener Fall ist Beleg für die Existenz 
' der Mania a polu; auch hier waren lucida intervalla deut 
lich zu unterscheiden. Soviel über die Eintheilung. Die Ur 
sachen dieser Krankheit findet man im übermässigen und an 
haltenden Genuss berauschender geistiger, oder überhaupt das 
Nervensystem heftig erregender Getränke. Je reicher ein Ge 
tränk an Weingeist ist, desto verderblicher ist seine Wirkung; 
doch scheint diese Regel manche Ausnahme zuzulassen, denn 
S. kennt sehr alte Branntweinsäufer, die den Schnaps fast täg 
lich im Uebermaass geniessen und doch nie an Delirium tremens 
litten , während andere von weniger berauschenden Getränken, 
z. B. Bier und Aepfelwein, in dies Uebel verfielen. Es ist 
sehr wahrscheinlich, dass die grosse Menge, in der jene Ge 
tränke genommen werden, bis sie berauschen', wesentlichen 
Einfluss auf Entstellung desUebels haben. S. kennt 2 Männer, 
die fast ausschliesslich Obstmost und Bier trinken und wovon 
der eine zum 2., der andere schon zum 4. Male am Delirium 
tremens gelitten hat. Auch Leveille, der von 1819 — 1827 
89 solcher Kranker behandelte, führt an, dass das Delirium 
tremens häufiger nach Genuss von Wein, als von Branntwein 
entstehe. Ueberhaupt ist dieses Uebel keine sehr häufige und 
und im Yerhältniss zu andern durch Trunksucht hervorgernfe- 
nen und unterhaltenen Krankheiten sogar eine seltene Krank 
heit zu nennen. Von 200 von Lippich in 3 Jahren an Säu- 
lerkrankheiten behandelten Individuen litten nur 5 an Delirium 
tremens. Aber nicht nur gebrannte und der weinigen Gährung 
überhaupt unterworfene Getränke sind veranlassende Ursachen 
vom jQelirinm tremens, sondern auch solche Potenzen, die aufs 
Nervensystem, namentlich das splanchnische, erregend wirken. 
Unter diese gehört z. B. der Kaffee, der nach Höring bei ei 
nem Förster, der denselben iin Uebermass trank, Delirium tre 
mens hervorrief. Hier musste das Opium die durch schwarzen 
Kaffee schon oft geleisteten Dienste erwiedern. Aber nicht im 
mer und nicht bei jedem Trinken sind diese allgemeinen Ursa 
chen vermögend, Delirium tremens zu erzeugen. Hierzu sind 
noch andere individuelle Verhältnisse nöthig. Der Verf. rech 
net hierher besonders eine gewisse Schwäche des Nervensystems, 
sey es, dass diese als angeboren oder erworben auftrete. Er 
worben kann sie werden durch übermässige Austrengung des 
Geistes, kitzliche, süssliche Lectüre, ungezähmte Leidenschaft, 
Dienst der Cyprischen Göttin, vorzugsweise aber durch Onanie. 
Am häufigsten wird das Mannesalter von dem Uebel ergrilfen, 
bei jüngeren Subjecten widersteht noch die kräftige Natur, im 
hohem Alter kommt eher geradezu Stumpfsinn. Der Aus-
	        
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