Full text: (11. Band = 1835, No. 9-No. 16)

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IV. Materia medica und Toxikologie. 
klagte überdies über Schmerzen quer über die Brust, über etwas 
Husten und über sehr heftigen, ermattenden Schweiss. Auch 
jetzt lag er in einem solchen, aber auch unter einem dicken, 
schweren Federbette, und, wenn ich nicht sehr irre, in einer 
überdies geheizten Stube. Das Leiden hatte vor ungefähr 17 
Tagen mit Halsschmerzen begonnen. Ausser durch das Ansehen 
und die Menge der Geschwürchen, so wie durch den Iluf des 
Pat., als eines sehr ordentlichen, arbeitsamen Menschen, über 
zeugte ich mich auch noch auf andere Meise von der Nichtexi- 
stenz eines etwaigen syphilitischen Leidens. — Der Manu, des 
sen Constitution nebenbei nicht die kräftigste war, war täglich 
mit Anbruch des Tags, 1|- Stunden weit, nach Leipzig auf die 
Arbeit und des Abends 7 Uhr, nachdem er sich, wenigstens als 
fleissiger Maurer, tüchtig angestrengt hatte, wieder nach Hause 
gegangen. Dass sich bei dem anstrengenden Leben, wodurch 
leicht auch der Brustschmerz eine Erklärung fand, hinreichende 
Veranlassungen zu Krankheiten der Luftröhre fanden, unterliegt 
wohl keinem Zweifel, und für eine solche hielt ich das Leiden. 
Ich untersagte das widernatürliche Warmhalten, liess täglich 
nichts, als 2— 3 Kannen Milch von der Kuh weg, und bei gu 
tem Wetter die freie Luft, gemessen. Nach 14 Tagen war der 
ziemlich todtgesagte K. ohne Medicin, durch blosse Milch, völlig 
hergestellt, ging alsbald wieder an seine Arbeit, und ist bis jetzt 
gesund geblieben. — Es fällt mir nicht im Entferntesten ein, 
zu behaupten, dass K. an dem unbedeutenden Leiden gestorben 
seyn würde, aber dass er es in seinem ermattenden Schwitzbette, 
bei der Ansicht seiner Umgebung über die Krankheit und den 
hieraus folgenden Mienen etc. am Ende doch konnte, ist wenig 
stens nicht unmöglich. — 2) Pocken. Der Schäfer Eiding im 
Dorfe Plaussig, 28 Jahre alt, von kräftigem Körperbau, hatte 
noch, wiewohl schon iu der 8 Lebenswoche geimpft, deutliche 
Kulipockennarben auf beiden Armen, als er d. 17. Mai 1832 von 
den damals hier und in der Umgegend grassirenden Blattern be 
fallen wurde. Als ich ihu am 21. sah, waren bereits Gesicht, 
Hals und Leib von dem Ausschlage bedeckt, ln den ersten la 
gen hatte Pat. Frost und Hitze verspürt, welche letztere seit ge 
stern anhaltend geworden war. Der Puls war härtlich, voll, we 
nig accelerirt, der Durst heftig. Ausser etwas unruhigerm Schla 
fe, als gewöhnlich, wusste er nichts Krankhaftes anzugeben. Ich 
liess die Fenster verhängen, sie aber dabei häufig offen erhalten, 
und verordnete, Pat. solle nichts gemessen, ausser Milch. Als 
ich ihn am 7. Tage wieder sah, hatte die Eiterung begonnen. 
Auf meine Frage, wie es gehe, antwortete er jetzt, wie während 
der ganzen 3 Wochen, welche er in der Stube zubringen musste, 
s ‘ets „mir fehlt nichts.Es erfolgte auch nicht eine einzige 
von den die Pocken gewöhnlich begleitenden Erscheinungen. Auch 
als der ganze Körper eine eiternde Fläche abgab und das Gesicht, 
woselbst die Pockeu ungemein zusanunengeflossen waren, ganz
	        
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