Full text: (11. Band = 1835, No. 9-No. 16)

92 IV. Matena medica und Toxikologie. 
sam eingepfropft nnd mit solchen Symptomen constitutioneller 
Unordnung begleitet, dass diese zuvor entfernt werden müssen, 
ehe das örtliche Uebel gehoben werden kann, und die Beseiti 
gung dieser Symptome reicht bisweilen allein zur Minderung, 
oder zum gänzlichen Verschwinden des örtlichen Leidens hin. 
Auch bei Gonorrhöe wird der Ausfluss bisweilen durch eine con- 
Btitutionale Reizung unterhalten und, wenn diese beseitigt ist, 
schwindet die Gonorrhöe, wodurch sich die wohlthätigen Wir 
kungen der Alterantien, z. B. des Kalom. in kleinen Gaben, er 
klären lassen. Die constitutionale Krankheit scheint im allgemei 
nen in Störung der Verdauungsorgane, besonders der Leber, zu 
bestehen. Daher haben Offenerhaltung des Darmcanals und Al- 
terantia oft so wohlthätige Folgen. In andern Fällen wird der 
Ausfluss durch eine örtliche Reizung unterhalten, welche die, eine 
specifische Wirkung auf die Harnwege ausübenden innern Arz 
neien, wie Balsam, Cubeben und Canthariden, zu verändern und 
zu vernichten scheinen. Auch giebt es Entzündungen von ent 
schieden specifischem Charakter, welche die Urethra befallen. 
[d. Froriep’s Notizen, Bd. 44, Nr. 5 nach The Lancet, 1834 — 
1835, Vol. 7, Nr. 15.] 
IV. Materia medica und Toxikologie. 
49. Milchcuren; mitgetheilt von Dr. IIackkr in Leipzig. 
Dass jedes Indifferenziren der Nahrungsmittel, besonders in Ver 
bindung einer gleichzeitigen, quantitativen Beschränkung dersel 
ben, einen gewaltigen Eindruck auf den Organismus ausübt, dass 
dadurch die ganze Constitution umgeändert, und durch diese Ver 
mittelung grosse Krankheitsanlagen nicht nur, sondern selbst schon 
begonnene Krankheitsprocesse, aufgehoben werden können, bedarf 
wohl keines theoretischen Beweises. Darüber, wie sich mir dies 
Verfahreil in einigen Fällen sehr wirksam erwiesen, mögen fol 
gende Beispiele sprechen: l)Hals- und Luftröhrenentzün 
dung mit Ulceration. D. 6. Jul. 1832 war ich in dem Dorfe 
Piaussig, und ganz gelegentlich erzählte man mir von einem dor 
tigen Maurergesellen Kühn, welcher sehr schwer an Schwindsucht 
darniederliege und wahrscheinlich noch heute sterben werde; er 
könne schon nicht mehr sprechen. Da K. keinen Arzt hatte, be 
suchte ich ihn. Der Mensch, von etlichen 20 Jahren, lag im Bette 
mit blassem, eingefallnem Gesichte, und das Sprechen war aller 
dings behindert. Die Sprache war ohne Metall und hatte einen, 
mir anfangs verdächtigen, näselnden Ton. Ich untersuchte so 
gleich den Hals und entdeckte mit leichter Mühe in der hintern 
Rachenhöhle eine Menge (wohl an 20) kleiner, weisslicher Ge 
schwüre mit entzündeten, doch flachen Rändern. Die Sputa des 
Pat. waren zwar reichlich, allein rein schleimig. Der Kranke
	        
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