Full text: (11. Band = 1835, No. 9-No. 16)

III. Pathologie, Therapie und medicinische Klinik. 91 
nie verfehlt, entweder die Fortschritte der eiterförmigen Ophthal 
mie za hemmen, oder die Symptome derselben zu bezwingen. 
Dasselbe ist der Fall bei der Gouorrhöe. In vielen Fällen der 
letztem sind die Symptome schon weit vorgerückt, ehe sich Pat. 
nach Hülfe umsieht. Unter solchen Umständen wird durch 
reichliches Aderlässen, oder Entziehung von soviel Blut, als nö- 
thig ist, den Puls herabzubringen, unmittelbare Linderung erhal 
ten und, wie bei der purulenten Ophthalmie muss der Aderlass 
wiederholt werden, wenn der Puls sich wieder hebt, und bis die 
Fiebersymptome und die örtliche Entzündung bekämpft sind. Seit 
W. diese Behandlung befolgt, hat er zwar noch nicht beobach 
tet, dass ein Fall so heftig gewesen, dass nicht alle Symptome 
durch einen Aderlass beseitigt worden wären, doch zweifelt er 
nicht, dass es Fälle giebt, wo der Aderlass in eben so starkem 
Grade anzuwenden ist, als bei andern entzündlichen Krankheiten. 
Der Vf. empfiehlt übrigens den allgemeinen Aderlass nicht allein 
in den heftigem Formen der Gonorrhöe: man sieht auch da gros 
sen Nutzen von demselben, wo örtliche Symptome so heftig wer 
den, dass sie viele Spannung oder Schmerz beim Urinlassen ver 
ursachen, oder wenn selbst geringe Fiebersymptome vorhanden 
sind. In solchen Fällen sind die Wirkungen des Aderlasses sehr 
entscheidend. Alle beunruhigenden Symptome verschwinden bald, 
und es folgt dicker eiterartiger Ausfluss, der sich allmählich ver 
mindert und bald ganz beseitigt ist. Wenn man aber auch dem 
Aderlässe den wesentlichsten Nutzen zuschreiben und denselben 
als^unerlässlich betrachten muss, so müssen doch dabei auch an 
dere Mittel angewendet werden und zwar ganz gelinde Laxir- 
mittel, verdünnende Mittel, sparsame Kost, Ruhe und Fomenta- 
tionen und Breiumschläge, die, wie W. glaubt, sich für alle ent 
zündeten Theite sehr wolilihätig erweisen. Penis und umliegende 
Theile müssen häufig gebäht werden und Pat. sollte in einem 
warmen oder Lenden-Bade den Urin lassen und beim Schlafenge 
hen sich einen Breiumschlag auf das Mittelfleisch legen. — Was 
den Unterschied zwischen allgemeiner und örtlicher Blutentzie 
hung anlangt, so beschränkt, wenn die örtliche Entzündung von 
allgemeinem Fieber begleitet ist, eine Quantität Blut aus der Arra- 
vene nicht allein die Fiebersymptome rascher und vollständiger, 
als eine gleiche Menge örtlich entzogen, sondern es erleiden 
auch die entzündlichen Symptome eine entsprechende Verminde 
rung. Ist aber bei Gonorrhöe kein Fiebersymptom vorhanden 
und sind die örtlichen Symptome nicht sehr heftig, so können 
Blutegel an das Mittelfleisch wohlthätiger seyn, als eine allge 
meine Blutentleerung. — Auch wenn die Gonorrhöe eine chro 
nische Form annimmt, hat sie Aehnlichkeit mit der purulenten 
Ophthalmie und die beste Behandlungsweise der einen Krankheit 
ist auch die passendste in der andern. Hat die eiterförmige 
Ophthalmie lange fortgedauert, so wird sie nach der allgemei 
nen Körperbeschaffenheit des Kranken so verändert und ihm gleich-
	        
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