Full text: (11. Band = 1835, No. 9-No. 16)

62 
VI. Psychiatrie. 
Y» •' 
nachbarlichen Umgebungen, 2) Beseitigung seiner körperlichen 
und 3) seiner Seelen-Leiden. Pat. kam aufseinen Wunsch in die 
Anstalt. Er bekam leicht verdauliche gute Kost, resolvirende 
Mittel und 3 Mal wöchentlich ein laues Bad. Er hatte viel Be 
wegung im Freien, arbeitete im Hofe und Garten und wechselnd 
im Hause. Lob und Beifall über seinen Fleiss, Beruhigung über 
seine That, Theilnahrae an seinem Schicksale, Religionsübungen 
und der Besuch der Seinigen beruhigten und erfreuten ihn und 
erhoben ihn bis zu der Stufe der Genesung, auf der er jetzt 
steht. [Claras’s u. Radius's Beiträge zur prakt. Heilk., BA. L 
ffß. 3.] 
34. Verrücktheit, die temporär beseitigt, durch 
die Folgen einer Selbst Verletzung dauernd geheilt 
ward. Von Dr. H. J. L. Belitz, prakt. Arzte in Wismar. Vf< 
möge uns vergeben, dass wir seine breite Krankheitsgeschichte 
in wenige Zeilen zusammendrängen und eines Falles, der zu den 
gewöhnlichen gehört, nur kürzlich gedenken. Die angebliche 
Verrücktheit war Melancholie, welche sich bei einem starken 
und übrigens gesunden Manne und Familienvater von vorherrschend 
venöser Constitution um so leichter nach und nach ausbildet®i 
da seine ökonomischen Verhältnisse nicht glänzend waren, und 
weltliche Widerwärtigkeiten ihn zwangen, mit seinen Verhältnis 
sen, mit seiner Lage öfter zu wechseln, sich einer in vielfacher 
Beziehung unregelmässigen und nachtheiligen Lebensweise hinzu' 
geben und häufige Unannehmlichkeiten und Strapazen zu ertra' 
gen. Die dadurch bedingten Störungen in den Unterleibsorganf® 
und Stockungen in Pfortadersysteme erzeugten ein hartnäckige* 
kaltes Fieber, gastrische und andere Beschwerden, die zwar an 
scheinend beseitigt, aber durch die fortwirkenden schädlichen 
Potenzen immer wieder hervorgerufen wurden. Nachdem siel* 
der schwermüthige Pat. schon einmal zum Fenster hinausgestürzb 
aber dabei keinen Schaden genommen hatte, schiesst er siclb 
nachdem er geheilt schien, mit einem ohne Kugel geladenen, Pi 
stol in den Mund. Wie gefährlich er auch verletzt schien, s® 
ward er doch in einem halben Jahre geheilt, und nun war auch 
seine Schwermuth verschwunden! Und wodurch? durch die Wund® 
an sich? Gewiss nicht! — Ref. bezweifelt nicht, dass die gemüth- 
liehe und mechanische Erschütterung des Schusses wohlthätij 
wirkte; er glaubt auch, dass die Blutung der Wunde nicht ohn® ] 
Nutzen; aber noch grossem und wohl den grössten Nutzen hatt® i 
die Entziehung8cur, welche sechs Monate lang durchgeführ* ] 
werden musste, da die Verletzungen im Munde den Genuss vo® i 
Nahrungsmitteln sehr beschränkten, und es ist gewiss leicht ein- i 
Zusehen, wie dadurch Stockungen im Unterleibe gehoben und da* i 
Vorherrschen der Venen beschränkt und Ordnung wieder herg®' 1 
stellt werden konnte. [Harri’s Archiv. 1834. Sptbr. Octbr.] 1
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.