Full text: (11. Band = 1835, No. 9-No. 16)

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V. Gynäkologie and Pädiatrik. 
Knaben, den sie, wie die frühem Kinder, selbst nähren wolltet 
Die ersten Tage des Wochenbettes verliefen, bis auf bedeutende 
Nachwehen in den ersten 21 Stunden, ganz normal, und die Milch 
schoss reichlich in die Brüste, ohne dass bis zum 5. Tage, wie dies 
sonst schon vorgekommen, eine Febris lacteu sich gezeigt hätte. 
Am 5. Tage aber fühlte sich die Wöchnerin unwohl: besonders 
waren die Nerven sehr aufgeregt, der kurze Schlaf wurde durch 
ängstliche Träume unterbrochen, und es fand sich ausserordentli 
che Schreckhaftigkeit, Schlagen im Kopfe bei der geringsten An 
strengung und Fieber mit kleinem, gereiztem, äusserst frequen 
tem Pulse. Die Milchabsonderung war ungestört und der Wo 
chenfluss quantitativ vermehrt, qualitativ aber verändert, und Tags 
darauf nahm unter fortdauernden Krankheitsersclieinungen das 
Ausgeleerte eine weisse Farbe, wie Milch, an. Dazu i'aud sich 
Ziehen im Kreuze und in den Beinen, ganz dem ähnlich, das stil 
lende Frauen in den Schultern fühlen, wenn, wie sie sageu, die 
Milch iii die Brüste schiesst. Mit diesen Erscheinungen trat un 
ter Fortbestehen der allgemeinen krankhaften Affectiou und dem 
Gefühle äusserster Erschöpfung profuser, die Betttücher ganz 
durchnässender Schweiss an den untern Extremitäten hinzu. Bei 
Untersuchung der mit diesem Schweisse imprägnirteu Betttücher 
überzeugte sich v. St., dass selbiger kein gewöhnlicher Schweiss 
sey, sondern dass das Linnen dadurch erschien, als ob es in 
Milch getränkt und wieder getrocknet sey, auch hatte der Ge 
ruch etwas Süssliches, der Milch Aehnliches. Diese Absonde 
rungen hielten bis zum 11. Tage des Wochenbettes in bedeuten 
dem Grade an und schwächten die Wöchnerin ausserordentlich, 
dann aber verlor sich der nervöse und fieberhafte Zustand unter 
Abnahme jener Absonderung, und gegen die 3. Woche machte 
diese dem gewöhnlichem blutigen Lochialflusse Platz. Die Milch 
absonderung in den Brüsten war bedeutend geringer geworden, 
so dass bei grosser Schwäche weiternähren nicht gerathen schien. 
—- Der Yrf. kann den Schweiss an den Beinen kaum für etwas 
anderes halten, als für höchst sonderbare, seltene Deviation der 
Milchabsonderung, die um so mehr auflallen muss, als der Ute 
rus gleichzeitig ähnliche Absonderung bewirkte. [Caspars Wo 
chenschrift f. d. ges. Heilkunde, 1835, Nr, 13.] 
32. Zur Geburtshülfp; aus den Papieren des Dr. Voigt 
zu Leipzig. Das Wort „entbinden“, welches in geburtshülf- 
licher Hinsicht von Aerzten und Laien so oft gebraucht wird, 
leitet Stuckius (Antiquität, convival., Id]. //, cap. 29, p. 24(»J von 
aottain solvere ab. Der Gürtel (aona) war bei den hebräischen, 
griechischen und römischen Jungfrauen das Symbol der jungfräu 
lichen Reinheit und Schamhaftigkeit, und so hiess zonam solvere 
go viel wie virginitatem interficere, die Jungfrauschaft mochte 
dem unerlaubten Umgänge oder dem El |e bündnisse geopfert wer 
den. Aber der Gürtel galt auch vor Zeiten als Symbol des Erst- 
gchäreus uud zonum sqloere war synonym mit primo purere.
	        
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