Full text: (11. Band = 1835, No. 9-No. 16)

II. Pathologie, Therapie und medicinische Klinik. 4?9 
noch weniger Ruhe, als die frühere Dysurie. 'Nach so weit ge 
diehener Entwickelung des furchtbaren Uebels konnte die Natur 
desselben nicht länger mehr verborgen bleiben, und Pat. sah nun 
spät sein Unrecht ein, dass er der frühem ärztlichen Ver- 
touthung des syphilitischen Ursprung des Uebels -sich aus allen 
Kräften widersetzte, frei gestehend, dass er seit wenigstens 12 
daliren keine syphilitische Ansteckung erlitten, die zu jener Zeit 
s >cb zugezogene so schnell und glücklich geheilt worden sey, 
dass er seitdem nie etwas der Art verspürt und dass also sein 
jetziges Leiden ancli nicht daher entstanden seyn könne. Im 
Vertrauen auf diese irrige Argumentation hörte er auf keine Ge- 
Senvorstellung und verweigerte hartnäckig jede dahin zielende 
*’ur. Da nun kein Mittel etwas nützen konnte, was nicht auf 
die Quelle des Uebels gerichtet war, so verliess W., bei dieser 
Weigerung des Kranken, denselben gerade bis die nächtlichen 
Knochenschmerzen ihr Maximum erreicht halten, und Pat. den 
^f. dringend bitten Hess, ihn wieder zu behandeln, wo alter lei 
der die zu späte antisyphilitische Cur keine Heilung mehr ein- 
'eiten, sondern höchstens nur einige Milderung der heftigen 
Schmerzen bringen konnte. Während jetzt bei zweckmässigem 
Rlercurialgebrauch die Schmerzen etwas nachliessen, sah Pat, end 
lich sein Unrecht ein. Doch nun war alles zu spät, und bald 
nachher starb er ganz abgemagert an syphilitischer Phthisis. Bei 
der Section erschien der Beckenknochen der einen Seite ganz 
Ca riös, das wichtigste aber und was überraschend die furchtba- 
r eu Erscheinungen der frühem Dysurie auf ein Mal aufklärte, war 
Weniger die grosse Abnormität der Blasenhäute, als eine auf ei 
fern Stiele sitzende polypenartise syphilitisch emporgetriebene 
Kxcrescenz, die zur Seite des Blasenhalses den Sitz genommen 
ll| id sich beim Reiz, Urin zu lassen, den sie stets unterhielt, vor 
die Oeffnung des Sphincters der Blase legte und ihn zunächst 
n, *t zur krampfhaften Verschliessung der Blasenöffnung reizte, 
wie sie auch zugleich Ursache der erwähnten, sonst den Blasen- 
s tein begleitenden unangenehm juckenden Empfindung in der Ei 
chel war. — Zweifelsohne konnte dieses Leiden durch die Kunst 
Schoben werden, wenn Pat, sielt fortwährend ärztlicher Beobach- 
,u 'ig überlassen hätte. Wie das Uebel schon zu bloss lag und 
*'ch zur höchsten Stufe in der cariösen Zerstörung des Becken- 
Und Schenkelknochen erhoben, der einiache, syphilitische Pro- 
Ces *s zum gleichen phthisisclien durchgebroclien und zwar so, 
dass er schon das letzte Stadium erreicht hatte, konnte die 
Kunst den Tod nicht abhalten, wenn es ihr auch glückte, die 
wüthenden Schmerzen in den zerstörten Knochen etw'as zu mil 
dem. Wad, der Erzählung des Kranken und seiner Umgebun 
gen ist der Sphincter der Blase nicht eher gelähmt worden, als 
*ieh der syphilitische Zerstörungsprocess sichtlich auf die ge 
nannten Knochen geworfen hatte, und die Art der anfänglichen 
Zerstörung derselben war deutlich genug, als dass ihre Natur
	        
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