Full text: (11. Band = 1835, No. 9-No. 16)

476 II. Pathologie, Therapie und medicinische Klinik. 
tretenen Todes angesehen werden können. — Fragen wir nun 
nach der Veranlassung zu solchen schweren, unheilbaren Leide", 
so lässt sich mit einer an Gewissheit gränzenden Wahrscheinlich' 
keit annehmen, dass irgend eine traumatische Ursache den er 
sten Grund zu seiner Kntstehuug und nachmaligen Ausbildung 
gegeben habe. Auch dürfen wir in der Lebens- oder vielmehr 
Leidensgeschichte des Verstorbenen nicht erst lange nach einen' 
Ereignisse suchen, dem wir als Ursache die nachmaligen Leide" 
und deren endlichen Ausgang als Folgen zuzuschreiben uns f" r 
berechtigt halten. Es ist nämlich unzweifelhaft erwiesen, dass 
Denatus vor ungefähr 8 Jahren in rauher Jahreszeit bei Nacht- 
einen heftigen Sturz mit dem schw-eren Postwagen aus beträcht' 
licher Höhe erlitt, wobei er, da er hiilflos fast bis zum Mor - 
gen unter dem schweren Wagen liegen geblieben war, wo m* 11 
ihn bewusstlos und mit Blut bedeckt fand, unbczw-eifelt eine be 
deutende Quetschung der rechten Seite und namentlich der Le 
bergegend erfuhr, wahrscheinlich mit innerer Verletzung und Blut' 
austretung in den gequetschten Theilen verbunden, denselben, die 
eich nach dem Tode als Sitz und Quelle seiner Krankheit erwie 
sen. Ob damals dieser Sitz des Uebels richtig erkannt und g e ' 
würdigt, ob die Krankheit demgemäss erfolgreich behandelt wor 
den sey, wissen wir nicht; genug, dass Verletzung dieser Organ" 
und zwar eine tiefe, eingreifende Verletzung, die Folge jenes 
Unfalls gewesen sey, ist wohl kaum in Abrede zu stellen — und 
wirklich schreibt sich auch, seiner eigenen und der Aussage sei 
ner Angehörigen zufolge, von jener Zeit her der Anfang seiner 
Leiden. Als nächste Wirkung bildete sich nun eine schleichende 
Entzündung in den misshandelten Theilen, die unter den ihre 
Fortbildung begünstigenden, ungünstigen Lebensverhältnissen des 
Verstorbenen, nach Art aller chronischen Entzündungen in Aus 
schwitzung und Verwachsung ihren Ausgang nahm, in deren 
Folge früher offene Canäle und Organe verschlossen und unweg 
sam wurden, die in ihnen enthaltenen Flüssigkeiten und Abson 
derungen, nunmehr zurückgehalten, stockten, sich verdickten, 
entmischten, und je nöthiger sie selbst zur weiteren Ernährung, 
zur naturgemässen Mischung der zur Ernährung dienenden Säfte, 
oder zur Trennung und Fällung gewisser, für den Organismus 
untauglich gewordener Auswurfsstoffe, sind, theils die Blutberci- 
tung störten, dieselbe unvollkommen machten, Entmischung des 
Blutes zu Wege brachten und jene Welkheit, Dürftigkeit und 
Schlaffheit der betheiligten Organe hervorriefen, die wir bei der 
Leichenöffnung an allen Theilen und Organen des Unterleibes 
mehr oder weniger wahrnahmeii, theils zur Anhäufung von Stof 
fen Veranlassung gaben, die als dem Organismus entfremdet, fl* 
nachtheilige, feindselige Beize auf ihn wirkten und ihn belästig 
ten. — Wäre S.’s Lebensart wie sein Beruf weniger anstrengend 
und mühselig, er nicht unaufhörlich dem feindlichsten Witterungs 
wechsel zu allen Jahreszeiten, bei Tage wie bei Nacht, unter
	        
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