Full text: (11. Band = 1835, No. 9-No. 16)

460 II. Pathologie, Therapie und medizinische Klinik. 
gefürchtet wird. Es entstanden nämlich gegen den 8. oder 13 
Tag zuerst an Brust und Hals, dann auf Unterleib und Bücke' 1 
und zuletzt an den Extremitäten kleine rundliche, durchsichtige' 
mit weisser Flüssigkeit gefüllte Erhöhungen. Wo vor und wäll' 
rend der Efflorescenz Stechen und Prickeln in der Haut gefüllt 
wurde, und wo sich die weissen Bläschen theilweise oder insge- 
eammt rötheten, konnte man sicher auf glücklichen Ausgang rech' 
nen. Wo dagegen jene Empfindung fehlte und das Exanthe® 
weiss blieb, war der Tod gewiss und hier war es, wo B. de" 
Urin einige Male eine schwarzbraune, dem Kaffeesätze ähnlich® 
Farbe und Beschaffenheit annehmen sah. Im günstigen FaH e 
schwand der Ansschlag unter kleienartiger Abschuppung. — Ab® r 
auch ohne dass ein Ausschlag zu sehen gewesen war, löste sich 
bei mehreren in der Convalescenz die Haut, wie nach Scharlacht 
in lappenartigen Stücken, besonders an Hand- und Fussteller»' 
Hartnäckige Oedeme und allgemeine Hautwassersuchten käme" 
oft vor und verzögerten die Wiederherstellung. Beschwerlich® 
und schmerzhafte Aphthen, die B. für Fortsetzung der Friesei' 
bläschen über die Schleimhaut der Mund - und Rachenhöhle halb 
steigerten oft noch die Leiden der Kranken bedeutend. Di® 
Sterblichkeit war übrigens im Verhältnis zur Ausbreitung diese® 
so stürmisch auftretenden Uebels gering. Die meisten Kranke» 
befanden sich zwischen dem 15. und 35. Jahre. Zu den sehr 
seltenen Ausnahmen von dieser Regel gehört ein 54jähriger, de® 
Trünke ergebener Mann, bei dem sich zu den eigenthiimliche» 
Delirien Gliederzittern und völlige Schlaflosigkeit fand. Erst ei' 
nige Gaben Opium riefen den lang entbehrten Schlaf zurück, 
worauf die übrigen Symptome schwanden und Pat. sich bald er* 
holte. Die Behandlung war fast immer antigastrisch. Sie wurde 
mit einem Brechmittel eingeleitet und mit gelinden Mittelsalze» 
fortgesetzt. Aetherische und aromatische Pflanzenmittel wurde» 
massig angewendet, in mehreren Fällen aber auf der drohend' 
steil Höhe der Erscheinungen der Camplier mit überraschende® 
Erfolge gegeben. Vorzüglich viel leisteten die Mineralsäure», 
sowohl Hallers Sauer im Getränke, als auch Salzsäure in schiel' 
migem Vehikel. Kühles Verhalten und Wasser zum Trinke» 
wurde überall angeordnet. Ein tagelanges medicinisches Nichts 
thun, wozu oft Arrauth zwang, störte weder den Gang der Krank' 
heit, noch verhinderte es in den schwersten Fällen den glückli' 
chen Ausgang. [Med. Zeitung v. Vereine f. Heilk. in Preussert■ 
1835, Nr. 20.] 
238. Seltene Formen larvirter Wechselfieber; v» n 
Dr. Kihi.hrand in Inowraclaw. I. Haemorrhagia pulmo 
num als Febris larvata. Ein schwächlicher 50jähriger, kur* 
gedrungener Mann, der seit vielen Jahren an einem chronische» 
Uebel litt, das sich besonders im Herbste sehr heftig zeigte 
wurde im Augnst von Haemorrhagia pulmonum et Diarrhoen 
cruenta so plötzlich befallen, dass man für sein Leben besorgt
	        
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