Full text: (11. Band = 1835, No. 9-No. 16)

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I. Anatomie und Physiologie. 
linken, und das Weisse der rechten Seite entspricht, was bei 
einer wirklichen Umkehrung des Bildes im Auge nicht seyn 
könnte. — 4) Wäre die Idee von der verkehrten Stellung des 
Bildes wahr, so müssten die Kurz- und die Weitsichtigen eine 
£anz andere Erscheinung darbieten, als sie wirklich gewähren. 
Nach der geltenden Theorie des Sehens sehen sie nur in einer 
bestimmten Entfernung, und zwar wegen der mehr oder weniger 
bald erfolgenden Kreuzung der Strahlen im Auge, allein die Sache 
sollte so seyn: kreuzen sich die Strahlen zu früh, so wird ein 
'erkehrtes grösseres Bild hingezeichnet; kreuzen sie sich später 
als gewöhnlich, so wird sich ein kleineres Bild darstellen. Die 
Unregelmässigkeit des Sehens bei diesen Menschen sollte also 
darin bestehen, den Gegenstand grösser oder kleiner zu sehen, 
als er wirklich ist; nicht aber, ihn gar nicht zu sehen. Allein 
das Sehen hebt sich auf, weil die Strahlen sich kreuzen, und 
daher wird das Bild entstellt, welches sich hätte hinzeichnen sol 
len. Werden die Strahlen mit geeigneten Linsen zu dem erfor 
derlichen Grade von Convergenz oder Divergenz gebracht; so 
fällt ihr Zusammentreffen auf die Netzhaut, das Bild zeichnet 
sich dem Stande des Gegenstandes, der gesehen werden soll, 
entsprechend und es tritt das Sehen ein. — 5) Die Augen neh 
men immer eine solche Richtung, dass zwischen dem Punkte, 
den man sehen will, und der Netzhaut eine gerade Linie besteht. 
Biese, in welcher allein das Sehen deutlich und vollkommen ist, 
bildet die Senkrechte auf die Netzhaut. Nun erleiden aber die 
senkrechten Strahlen keine Brechung; es sind daher die Strah 
len, welche keine Brechung erleiden, d. h. welche das Bild ge- 
r ade hinzeichnen, diejenigen, welche die Netzhaut stets aufzu* 
fangen strebt; wo doch die schiefen Strahlen wirksamer 6cyn 
müssten, wenn das Sehen aus dem Eindrücke eines verkehrten 
Bildes hervorginge. — 6) In dem Hohlspiegel präsentirt sich 
das Bild verkehrt. Nach der angenommenen Theorie müsste also 
die zum Sehen tauglichste Form die eines Concav-, und nicht 
die eines Convexspiegels seyn. Das ist aber nicht der Fall, und 
w ir dürfen nach den weisen Gesetzen der Natur annehmen, in 
dem Auge das zu besitzen, was in dem Convexspiegel sich dar 
stellt. — 1) Wozu das sehr bewegliche Auge, wenn das Bild 
Verkehrt sich abzeichnen soll? das Auge brauchte eben so wenig 
beweglich zu seyn, wie es das Ohr ist, da von allen Seiten 
schiefe Strahlen einfallen, welche sich kreuzen und das Bild ver 
kehrt zeichnen würden. Aber eben weil der zu sehende Gegen 
stand und die Netzhaut in gerader Linie liegen müssen, musste 
das Auge beweglich gemacht werden. [Med. Jahrb. d. k. k. 
überreich- Staates. Bd. 11, St. 3.J
	        
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