Full text: (11. Band = 1835, No. 9-No. 16)

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V. Gynäkologie und Pädintrik. 
eine Operation hätte vornehmen sollen, die fiir die .fast verblu 
tete Schwangere, und noch obendrein bei in allen Durchmesser 
engem Becken, wohl unglücklich ausgefallen seyn würde. De r 
Gedanke, dass bei stellender Blutung und durch Ruhe die Kräfte 
sich wieder heben würdeu und glückliche Entbindung, jenes Uw* 
falls ungeachtet noch eintreten könne, war liier gewiss nicht der 
unrichtige, wenigstens sanguinischer Operationslust weit vorzu- 
ziehen. Doch forderte die Politik,, dass M. um Herbeirufung ei* 
nes andern Geburtshelfers bat, wenn Grimmis nicht zu erhalten 
seyn sollte. Elle- jedoch dieser Wunsch erfüllt wurde* erschien 
der genannte Geburtshelfer. Derselbe stimmte, nach Untersu 
chung der Schwängern, der Meinung des Verfs., dieselbe ruhen 
ZU lassen, bei und schob nur, indem er die Kihäute zerriss, das 
kleine Stück des vorgefallenen Mutterkuchens möglichst in den 
Uterus hinein und zur Seite, um einer neuen Blutung zu begeg 
nen. Man beobachtete Pat. nun unausgesetzt Hi Stunden. Wäh 
rend dieser Zeit beunruhigten die ZeLcbeu des höchsten Schwa- 
chegrades oft die Aerzte und verkündigten in mancherlei Zufäl 
len den Tod noch vor der Entbindung. Wahre Wehen waren 
bisher noch gar nicht eingetreten und Abfluss des Fruchtwassers 
(der sich auch während und naeh der Geburt nicht zeigte) war 
nicht bemerkt worden. 12 trockene Schröpfköpfe auf den Un 
terleib, um die herumziehenden schmerzhaften Empfindungen, diu 
sicli M. als Ableiter einer kräftigen Contraction des Uterus dachte, 
zu beseitigen, waren so nützlich, dass Pat. bald darauf eine 
Stunde schlief, worauf sicli wahre Wehen, hei übrigens völlig 
kalten und schwitzenden Extremitäten, so kräftig und ordentlich, 
wie man sie nur beim jugendlichsten Körper erwarten konnte, 
einsteilten. Der Muttermund öffnete sich immer mehr und der 
Kopf mit dem Hinterhaupte links lag vor und wurde durch kei 
nen Theil der Piacenta im Fortschreiten gehindert. Doch rückte 
derselbe, so kräftig auch die Wehen waren, nur äussersl langsam 
vor und so musste man denn, um die noch wenigen Kräfte zu 
erhalten, die Kreissende auf den Geburtsstuhl bringen und, als 
es nur irgend möglich war, die Zange anlegen und die Geburt 
beschleunigen. Die Geschicklichkeit liess den Geburtshelfer, wenn 
auch Kopf und Körper des Kindes in keinem Verhältnisse zur 
Enge des Beckens «tanden, nicht im Stiche: schon nach.^stän 
diger Anwendung des Instruments mit den mannigfaltigsten Tra- 
ctiouen kam der starke Kopf und bald darauf der übrige überaus 
grosse Kindeskörper todt und ohne Pulsation der Nabelschnur zum 
Vorschein. Eine Viertelstunde darauf hatte sich auch unter ge 
ringen Wehen der früher vom Geburtshelfer halb zusammenge 
schlagene, an der vordem Wand des Uterus gesessene Mutter 
kuchen gelöst. Er war dick, ungewöhnlich gross, eirund und 
die Nabelschnur daran sehr dünn, gelblichgrün. Die Euthuudene 
wurde nun sehr sanft ins Bett gelegt und der noch übrige Le- 
beitsfunke durch Belebungsinittel angefacht. Mit diesen Mitteln
	        
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