Full text: (11. Band = 1835, No. 9-No. 16)

III. Materia medica und Toxikologie. 35 
quetscht die Blätter und presst den Saft durch Leinwand, dann 
füllt man eine Flasche halb mit diesem Safte, halb mit Cognac 
oder llum, pfropft sie wohl umgeschüttelt zu und lässt sie 8 Lage 
ruhig stehen. Nach dieser Zeit liegen alle Unreinigkeiten am 
Boden und der Saft ist ganz klar. Man giesst ihn dann in eine 
andere Flasche und pfropft diese gut zu. So hält sich der Saft 
lange. Man gebraucht ihn wie den eben ausgepressten reinen 
Saft gegen Schlangenbiss, doch kann nur der reine Saft, nicht 
der mit Bum gemischte zur Einimpfung verwendet werden. •— 
Die Eigenschaften des in Rede siebenden Saftes sind folgende: 
1) er heilt die Bisse der giftigsten Schlangen, wie diess mehrere 
sehr merkwürdige Erfahrungen in der oben erwähnten spanischen 
Schrift ausser Zweifel setzen. 2) Er heilt Scorpionenstiche, die 
in Venezuela oft eben so tödtlich, als der schlimmste Schlangen 
biss, sind. 3) Er verhütet und heilt die Wasserscheu. Hierfür 
sprechen mehrere Mittheilungen in der angezogenen Schrift. So 
erzählt z. B. Ur. Mkndoza, dass 4 Neger von einem tollen Hunde 
gebissen wurden. Drei, welche sich der gewöhnlichen Mittel be 
dienten, starben, der 4. wurde durch Guacosaft gerettet. Eine 
Dame auf Caraccas wurde mit ihrer Sklavin von einem tollen 
Hunde gebissen. Beide nahmen 40 Tage hintereinander täglich 
3 Lössel Guacosaft und badeten zugleich die Wunden damit und 
beide blieben gesund. Wenn diese Krankheit, die dort sehr häu 
tig ist, ausbricht, so nimmt man jetzt nur Guacosaft und wird — 
geheilt. Ausserdem soll nach der angeführten Schrift der Guaco 
sich auch bei Gicht, Leberkrankheit, Menostasie, alten Geschwü 
ren, Würmerfi, Lungensucht (?) etc. nützlich erweisen.— Was 
endlich die Anwendungsart betrifft, so nimmt man gegen Bisse 
von Schlangen, tollen Hunden und Scorpionstiche gleich 3 Ess 
löffel reinen Guacosaft und bedeckt gleichzeitig damit die Wunde 
mit einem Umschlag von zerquetschten Guacoblättern. Dies wird 
täglich, beim HundebiSs 40 Tage, wiederholt, bis Pat. geheilt ist. 
Ist nur der mit fluni vermischte Guaco zur Hand, so muss Pat. 
davon 3 Löffel eiunehmen und die Wunde damit badeu; ein Ver 
fahren, das man täglich wiederholen muss. Pferde, Kühe und 
andere 'Ihiere müssen grössere Gaben erhalten. 2) Um Gicht 
und Podagra zu heilen, lässt man täglich, sowohl früh als Abends 
einen Esslöffel des reinen oder gemischten Saftes nehmen und 
die schmerzhaften Theile damit baden. Hat man frische Blätter, 
so kann man auch Umschläge von den zerquetschten mit gutem 
Erfolge machen. 3) Ge<»en Convulsionen wendet man das Mittel 
eben so 8— 10 Tage an, doch nimmt man täglich 3 Esslöffel. 
4) Gegen Menostasie, Verstopfungen und Leberbeschwerden nimmt 
man Morgens und Abends l Esslöffel, gegen alte Geschwüre 
3 — 4 Esslöffel, bis das Uebel beseitigt ist. Auch macht man 
Umschläge der gequetschten Blätter auf die leidenden T heile. 
5) Gegen Starrkrampf und Kinnbackenkrmnpf wickelt man Kiefer 
und Kopf in mit dem gemischten Safte getränkte Tücher und
	        
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