Full text: (11. Band = 1835, No. 9-No. 16)

34 III. Materia medica und Toxikologie. 
amerikanischen Freistaaten wachsenden Mikaria, einer Unterart 
von Eupatorium, herstammt, hat man zwar schon hier und da 
Nachrichten mitgetheilt, doch sind dieselben so kurz und um oll- 
ständig, dass 0., der durch einen Freund, welcher neuerlich Süd 
amerika bereist hat, mehrere Notizen, so wie eine kleine spani 
sche, nicht in den Buchhandel gekommene Schrift über den Guaco 
erhalten hat, es für Pflicht hält, Nachstehemles bekannt zu machen: 
Unter dem Namen von Guaco wächst wild, besonders auf den 
Feldern von Neu - Granada und Venezuela an den Ufern der 
Flüsse, eine kriechende Pflanze, die Einige Mikaria Guaco nen 
nen. Man weiss nicht, wie lange sie unter deu Indianern und 
Negern v^n Santa Fe (Bogota) als Antidot gegen Schlangengift 
bekaunt gewesen ist, aber man erzählt sich Folgendes: ein Ha 
bicht, den Gates by als Halco serpiens beschrieben, bewohnt die 
heissen Gegenden dieses Welttheils uud lebt einzig von Schlan 
gen. Derselbe hat ein sehr unangenehmes starkes Geschrei, das 
dem Worte Guaeo ähnelt, und die Eingebornen versichern, dass 
er damit die Schlangen zu sich locke. So viel scheint gewiss, 
dass der Guaco-Vogel überall die Schlangen verfolgt, und dass 
er oft die Blätter der Guaco - Pflanze hinunterschluckt, aus deren 
Genüsse die Indianer die Sicherheit, mit der er Schlangen ver 
folgen kann, erklären. 1788 entdeckte ein Indianer einem ge 
wissen Mutis das Geheimnis. Während dieser nebst mehreren 
Fremden sich auf seinem Landgute Mariquila, 15 Meilen von 
Santa Fe', aufhielt, liess er den Neger Pio im Angesichte Aller 
eine der giftigsten Schlangen unbestraft betasten und rings um 
seineu Körper schlingen. Man glaubte, dass er der Schlange die 
Giftzähne ausgenommen habe, nachdem man sich aber von Ge 
genwart derselben überzeugt hatte, nahmen mehrere die Schlange 
in die Ilaud und Hessen sich mit dem Speichel derselben ein 
impfen. Der Neger bestrich die Wunden mit Blättern der Guaco- 
pflanze und die Eingeimpften, so wie Einer, den die Schlange in 
die Hand gestochen, blieben ganz gesund. 171)8 schrieb Mutis : 
„Jetzt stirbt Keiner mehr an Schlangenbissen; Pferde, Schafe etc. 
werden wie Menschen durch Guacosaft geheilt.“ — Was nun die 
Einimpfung, um sich gegen Schlangenbiss zu sichern, betrifft, so 
verfahren die Neger wie folgt: sie machen 6 kleine Einschnitte, 
2 in die Hände, 2 in die Fiisse und einen auf jeder Seite der 
Brust. Dann pressen sie Saft aus den Guacohlättern aus und 
giessen ihn in die W'unden. Vorher aber muss die zu impfende 
Person 2 Löffel Saft innerlich nehmen und nachher alle Monate 
5 — 6 Tage nach einander dieselbe Gabe trinken. Geschieht 
diess nicht, so verliert die Einimpfung ihre Kraft, und es muss 
eine neue angestellt werden. — Die Zubereitung des Saftes an- 
Jangend, so muss derselbe, da die Guacopflanze alle ihre Blätter 
in der heissen Jahreszeit, im Frühjahre, verliert und der ausge 
presste Saft sich nicht viele Tage uuzersetzt halten würde* wenn 
man ihn aufbewahren will, wie folgt behandelt werden; mau zer-
	        
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