Full text: (11. Band = 1835, No. 9-No. 16)

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V. Staatsarzneikunde. 
Probabilitätsrechnungen. — Von denen, weiche im ver- 
wichenen Jahrhunderte mit vieler Mühe unternommen und tabel 
larisch entworfen wurden, nennen wir die SüssntiLCHschen, wel 
che Baumank verbesserte, als die vollständigsten, welche ina» 
bis dahin hatte, und welche beim Gebrauche immer zur Basis 
gedient haben. Allein jetzt können sie nicht mehr als völlig 
quadrirend betrachtet werden, denn die Einführung der Vaccine, 
welche jünger ist, als jene Tabellen, hat das Verhältniss ver 
rückt: d. h. es sterben jetzt weniger Kinder als sonst, und da 
viele Individuum für die spätere Zeit erhalten werden, so ster 
ben jetzt mehr Erwachsene, als ehedem. Weit grossem Werth 
haben wir auf diejenigen Sterblichkeitstabellen zu legen, welche 
Burdach dem 3. Bande seiner Physiologie beigegeben hat. Sie 
sind, was Vollständigkeit und Brauchbarkeit aubelangt, das Vor 
züglichste dieser Art, was uns in neuerer Zeit zu Händen ge 
kommen ist, und ich muss denselben um so mehr Gerechtigkeit 
widerfahren lassen und ihnen Vertrauen schenken, da ich durch 
eine ähnliche Berechnung, welche ich nach langjährigem und 
fleissigem Sammeln, nach einer noch grossem Volksiriasse und 
Länderzahl, als Burdach gethan, mit Mühe und Sorgfalt ange- 
stellt habe, ein Resultat bekommen, welches von dem Burdach’- 
schen nur unbedeutend abweicht. Ich entwarf diese Tabelle *) 
nach anderthalb Millionen Todten der Länder und Städte: 
Böhmen, Frankreich, Niederlande, Waadland, — Berlin, Breslau, 
Leipzig, London, Paris und Wien. — Dieser Tabelle gemäss 
zerfällt das Leben rücksichtlich der Sterblichkeit in zwei Zeit 
räume. Der erstere, in welchem die Sterblichkeit anfangs am 
grössten ist und dann sinkt, erstreckt sich von der Geburt bis 
zum 16. Jahre; der andere, in welchem die Sterblichkeit an 
fangs am geringsten ist und dann sich mehrt, reicht vom 1?* 
Jahre an durch das ganze Leben. Die grösste Sterblichkeit sehen 
wir im ersten Lebensjahre, denn da werden von 1000 Individuen 
234 ausgemärzt; am geringsten ist sie zwischen dem 10 — 20. 
Jahre; von 21 — 39 bleibt sie sich fast gleich, und von 40 — Ti 
ist sie gleichmässig zunehmend, allein von hier an fällt sie der 
Zahl nach im Verhältnisse zu den Uebrigbleibenden immer fort, nicht 
etwa, als ob die Sterblichkeit in diesem Jahre geringer wäre, 
sondern weil die Zahl der Individuen, welche dieses Alter errei 
chen, im Verhältnisse zu den übrigen so klein ist. — Wen» 
nun die verschiedenen Sterbelisten nicht durchweg übereinstim 
mend sind; so dürfte dies örtlichen und zeitlichen Eigenthüro- 
lichkeiten beizumessen seyn. In mittlern und kleinen Städten ist 
die Lebensdauer länger, als in grossem, und am grössten ist der 
*) Diege und die folgende Tabelle, welche ich schon vor mehreren Jah 
ren der hiesigen medicinisclien Gesellschaft zur Iieurtheilung vorgelegt habe, 
können hier nicht abgedruckt werden, und ich begnüge mich, vorläufig ihre 
Resultate mitzutheiien. Allein sic wurden für einen andern Zweck entwor 
fen und sollen deswegen zu ihrer Zeit veröffentlicht werden.
	        
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