Full text: (11. Band = 1835, No. 9-No. 16)

876 IV. Gynäkologie und Pädiatrik. 
Monate schwangere Frau, Vollblütigkeit halber, zur Ader. Nach 
Tische bekam sie änsserst heftige, schneidende, grabende, ste- 
eilende und brennende Schmerzen, die theiis in der Nabeigegeitdi 
tlieils in der rechten Seite des Hauches anfingen, sich ins Kren* 
und in den rechten Fuss verzweigten und nach einiger Zeit eine 
Ohnmacht veranlassten. Da man an dem Körper etwas Krank 
haftes nicht aulfinden konnte, gab man besänftigende Mittel- 
Den 25. befand sich Pat. wohl; den 2fi. klagte sie über bedeu 
tende Schmerzen im Krenze, die sich nach der Anwendung von 
Blutegeln verloren; den 28. früh um 4 Uhr starb Pat. — Unter 
diesen Umständen eine Extrauterin-Schwangerschaft vermutheiid, 
ward der Mann der Verstorbenen ins Verhör genommen und fol 
gendes in Erfahrung gebracht. Pat. verlor im August ihr Mo 
natliches, jedoch liess sich später theiis hellrothes, theiis wässe 
riges Blut sehen. Anfangs Octobers bekam sie, nach zugelas- 
sener Erkältung, einen Fieberanfall mit Frost und das erste 
Mal einen bedeutenden Leibschmerz, der, nachdem er einige 
Tage geschwiegen, gleich nach einem Beischlafe in so hohen* 
Grade wiederkehrte, dass Pat. laut aufschreieu musste. Seitdem 
stellte er sich des Nachts öfters ein, und es gesellten sich diu 
Eingangs geschilderten Leiden dazu, nachdem Pat. schon 8 Tage 
zuvor in der rechten Seite eine Geschwulst zu bemerken glaubte. 
Den Nachmittag vor ihrem Tode bekam sie, nachdem sie mit 
grossem Appetite gegessen, eine Stuhlausleerung und darauf die 
Leibschmerzen in weit höherem Grade und in den rechten Schen 
kel ziehend und von Stunde zu Stunde zunehmend, während sich 
in der rechten Seite des Bauches eine Geschwulst erhob. Um 
9 Uhr Abends stellten sich Angst, Beklommenheit und Unruhe 
ein; Pat. seufzte, stöhnte, ward bleich und bekam Anwandlungen 
zu Ohnmächten. Um 2 Uhr bekam Pat. Durst und Verlangen 
nach kaltem Wasser, glaubte, ihr laufe Blut aus dem Leibe, und 
starb, ohne äusserlich eine Spur von Blut an sich zu tragen. — 
Die Leiche war wachsbleich; die halte Hirnhaut weissblau, die 
weiche nur unbedeutend eingespritzt. Die Lungen waren massig 
blutreich; in jeder Brusthöhle fand man mehrere Unzen gelbli 
cher Flüssigkeit, die grossen Lungengelässe blassgelb, das Brust 
fell durchaus blass, den Herzbeutel weiss und mit Fette belegt, 
die Oberfläche des Herzens gelb von Fett und überall blutleer. 
Das Merkwürdigste fand sich in der Bauchhöhle: auf dem un 
tern Theile der Därme und dem Eingänge des kleinen Beckens 
lag ein grosser Kuchen schwarzen Blutes, und unter diesem im 
Becken ein runder Körper, welcher den ganzen Eingang ausfüllte, 
links mit dem Mastdarme verwachsen war und rechts gleichsam 
in das Bauchfell überging. Bei näherer Untersuchung ergab sich, 
dass die Geschwulst aus Afterhäuten und Blutmassen bestand und 
einen 4| Monat alten Fötus nebst seinen Häuten enthielt, auch 
kam beim Lostrennen eine Partie, wie der Mutterkuchen, zum 
Vorschein. Das Ei sass in der hintern Wand des breiten Mut-
	        
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