Full text: (11. Band = 1835, No. 9-No. 16)

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III. Chirurgie und Ophthalmologie. 
des Fussrückens; vom Prof. Dr. Seerig in Breslau. Ein 
45jäliriger Kaufmann von guter, gesünder Constitution bekam un 
erwartet, und angeblich in Folge einer Quetschung bei Ilinein- 
Rtosseu der Schublade einer Comtnode mit dem Fusse eine Ent 
zündung auf dem Rücken des letztem und, nach erweichenden * 
Umschlägen mit Aqu. Goulardi, eiu kleines erbsengrosses Ge 
schwür, das allen Mitteln hartnäckig widerstand. Ein Wundarzt 
behandelte das Geschwür mehrere Wochen mit Sorgfalt und Auf 
merksamkeit, aber aller Mühe ungeachtet ohne Erfolg. Eines 
Tags, als derselbe das Geschwür genauer untersuchte und einen 
Charpiefaden mit der Pincette zu entfernen sich bemühte, sah er 
>m Mittelpuncte des Geschwürs ein ungewöhnlich starkes und 
festes Ilaar. Er zog dasselbe an, um es zu entfernen, schnitt 
es aber endlich, da Pat. über heftige Schmerzen längs dem gan 
zen Fussrücken klagte, mit der Schere im Grunde des Ge 
schwürs ab. Durch den Wundarzt hiervon benachrichtigt, wünschte 
S. den Fall näher kennen zu lernen, doch vergingen 6 — 8 Wo 
chen , ehe er von dem Kranken zu einer Berathung mit dem 
Wundärzte aufgefordert wurde. Als der Vf. den Kranken sah, 
hatte das Geschwür noch die erwähnte Grösse, war einige Linien 
t'cf mit callösen Rändern umgeben und befand sich genau da, 
Wo sich das Sprungbein mit dem kahnförmigen Beine verbindet, 
■^och vor genauer Untersuchung des Geschwürs fiel dem Verf. in 
der Gegend der ersten Phalanx der grossen Zehe ein besonders 
starkes schwarzes Haar auf, dessen Verlauf sich durch einen ei 
nige Linien langen schwarzbraunen Strich näher zu erkennen 
Sab. S. zog dasselbe mit der Pincette an und als 3 Zoll lan 
ges Haar unter der Haut hervor. Nach Entfernung desselben 
heilte das Geschwür sofort, und in den seitdem vergangenen 3 
Jahren hat sich keine Spur von Entzündung des Fusses wieder 
gezeigt. — Das Haar musste übrigens, gleich jedem andern mit 
einer besondern Scheide und Zwiebel versehen gewesen seyn, 
denn mau sah an dem einen, dem Geschwüre zugekehrt gewe 
senen Ende eine einige Linien lange Scheide. Die Stärke des 
Haars glich der eines Pferdehaars, doch war selbiges mehr platt, 
als rund. (Einen ähnlichen Fall hat früher Akderon erzählt.) 
~~ S. glaubt, dass dieses Haar nicht von aussen eingedrungen, 
sondern unter der Haut erzeugt und fortgewachsen sey, und zwar: 
1) 'veil man an dem, dem Geschwüre zugekehrten dickeren Ende 
deutlich eine Scheide sah; 2) weil das andere Ende, in der Ge- 
gend der ersten Phalanx der grossen Zehe zwar ganz spitz, aber 
'•*1 zu biegsam war, als dass es hätte auf dem hussriichen ein- 
'•iid am erwähnten Orte herausdringen können; 3) weil vor der 
Quetschung nie etwas von Entzündung am Fusse zu bemerken 
gewesen war; 4) weil man nicht annehmen kann, dass eiu 3 Zoll 
a *iges Haar, und zwar mit dem biegsamen Ende zuerst, sich in 
Geschwür eiugestossen haben könne, ohne dass man es nicht 
beim Verbände bemerkt hätte, und 5) weil sonstige balle vou
	        
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