Full text: (11. Band = 1835, No. 9-No. 16)

334 L Pathologie, Therapie und medicinische Klinik. 
des Thorax. Der erstere Fall ist gefährlicher, weil die Luft 
nicht wieder ausgeschieden werden kann. Sämmtliche bekannt 
gewordene Beispiele von Pneumothorax betrafen Phthisiker, bei 
welchen die Lungeufistel nachgewiesen oder mindestens , wahr 
scheinlich war. Kkgxaud betrachtet sie daher als ausgemachtes 
Causahnoment. Dem Umstände, dass durch die Operation des 
Empyems Gelegenheit zum Pneumothorax gegeben werde, schrei 
ben Mehrere die Gefahr dieses Kunsteingriffs zu. Allein einmal 
geschieht dies nicht immer, und, .sollte es gescheiten, so wird die 
Luft durch die Elasticität der Lunge alsbald wieder ausgestossen. 
Wo die Lunge gesund ist, soll man sich vor der Operation des 
Empyems nicht scheuen. Ist aber eine Lungenfistei vorhanden, 
oder sonst ein Umstand, wodurch eine Communication mit den 
Respirationswegen unterhalten werden könnte, soll das Empyem 
ebenso operirt werden, als der Pneumothorax bei gleichzeitiger 
Lungenfistel. Zwar schafft die Operation bei sehr gepresster 
Lunge Erleichterung, aber die Kranken werden auch schneller 
und sicherer ins Jenseits befördert. So gewiss es ist, dass ein- 
geschlossene Eiterahscesse weit gutartiger sind, als geöffnete, 
dass der Eiter producireude Theil nach Freilegung die Absonde 
rung verdoppelt, ja verdreifacht, ebenso gewiss ist es, dass die 
Luft, bei der ersten Entleerung des Pneumothorax geruchlos, bei 
wiederholter stinkend und faulig wird, und dass die Lungenfistel 
nach der Operation weit mehr Luft in das Cavum thoracis durch 
lässt, indem dies durch die Renitenz der nun ausgetretenen Luft 
nicht mehr verhindert werden kann, und dass endlich die Fistel 
selbst dadurch erweitert wird, und jede Möglichkeit zur Schlies 
sung derselben schwindet. — Vrf. operirte, mit Beistimmung von 
6 seiner Collegen, einen Bäckergesellen an einem Congestions- 
abscesse, welcher vor ö Monaten entstanden war, und von Ca- 
ries der Körper der ersten Lendenwirbelbeine herrührte. Der 
Absccss nahm den ganzen rechten Schenkel bis ans Knie ein 
und enthielt, wie sich später ergab, 5 baiersche Maass Eiter. 
Von Caries waren fast keine Erscheinungen vorhanden, Pat. war 
ohne Fieber und ging, insoweit es die enorme Geschwulst ver- 
stattete, munter im Zimmer umher. Sogleich nach der Opera 
tion schwanden die Kräfte, es ergoss sich aber auch täglich über 
£ Maass Eiter, es trat hektisches Fieber ein, und 2 Monate 
nach der Operation erfolgte der Tod, Die natürliche Gränze, 
welche dem Eiterahfluss gesetzt ist, scheint auch eine heilsame 
Hemmung eines verderblichen Krankheitsprocesses zu seyn. So 
wie aber bei solchen Abscesseu, hei welchen nach der Entlee 
rung kein Grund zu einer Fortdauernden Eiterproduction Statt hat, 
die Operation vorzunehmen ist, so würde sie dies auch bei ei 
nem Pneumothorax ohne Lungenfistel oder ohne penetrirendö 
Brustwunde seyn, vorausgesetzt, dass und wenn es einen solchen 
geben könne. Die Operationen des Pneumothorax liefen bisher 
alle so schlecht ab, dass man von keiner mehr hören würde,
	        
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