Full text: (11. Band = 1835, No. 9-No. 16)

SS2 I. Pathologie, Therapie und medicinische Klinik. 
aber bei einer Hustenanstrengung mit prasselndem Geräusch wie 
der ausgestossen. Der Kranke besserte sich bis hierher täglich. 
Eine alimentäre Kost musste den 11. Dec., wo den Kranken wie 
der ein längerer Husten belästigte, mit der frühem blanden ver 
tauscht werden. Der Husten wartrocken, keuchend und schmet 
ternd und erfolgte stossweise in regelmässigen Absätzen; dabei 
Brustbeklemmung. Bei der Percussion hatte die linke Brust nun 
eine so starke Resonnanz, wie ein leeres Fass hat; die rechte 
dagegen eine natürliche. Mittelst der Auscultation, welche Vrf. 
über eine Stunde fortsetzte, vernahm er, ausser einem unruhigen, 
zitternden (wahrscheinlich L.bnnec’s Fiaschenzug), 2 andere Töne 
von ausserordentlicher Stärke und Deutlichkeit. Beim Sprechen und 
Husten gab das Echo einen starken metallischen Klang, der stets 
dieselbe Stufe der Tonleiter hielt. Ein anderer Klang war bis 
weilen beim Einathmen, bisweilen nur beim Ausathmen, dann 
einige Athemziige gar nicht, dann regelmässig beim Ein- und 
Ausathmen hörbar. Es war ein kurz abgebrochener, leicht me 
tallischer Ton, gleich als wenn ein Tropfen Wasser auf eine 
dünne Metallscheibe fällt (nach Ljennec: als wenn ein Tropfen 
Wasser in eine halb volle Flasche fällt). Dem Vrf., so wie vie 
len seiner Collegen, war es klar, dass er es mit einem Pneumo 
thorax, und zwar in Folge einer, erst zwischen dem 10. und 11. 
Dec. entstandenen Lungenfistel zu thun hatte. — Das einzig si 
chere, diagnostische Moment fiir Lungenfisteln bei Pneumothorax 
ist das kurz abgebrochene Klingen beim Ein- und Ausathmen. 
Vrf. nennt diesen Ton: Tropfenklingen, hat aber die Ueberzeu- 
gung, dass in der That keineswegs wirkliche Tropfen, wie Meh 
rere geglaubt haben, herabfallen, sondern dass es offenbar in 
der Lungenfistel angesammelte Flüssigkeit ist, welche beim Ath- 
men überwunden wird, und das Geräusch des Platzens zäher 
Blasen verursacht. Das Klingen wird deshalb abgebrochen me 
tallisch, weil die Resonnanzfähigkeit des gefüllten Pleurasackes 
den einfachen Ton potenzirt. — Wenn es dem Vrf. früher un 
angenehm war, dass sich die Wunde des Empyems nicht schloss, 
so war ihm dies jetzt deshalb erwünscht, weil die Öeffnung 
zur Entleerung der Luft diente. Es entwickelte sich daraus eine 
Menge geruchlosen Gases, dem mitunter einige Tropfen zähen 
Eiters vorausgingen. Die Luft ward nun aashaft, Pat. • täglich 
elender, das Fieber heftig. Die Wunde nahm ein miserables 
Aussehen an; unter der äussern Bedeckung bildeten sich grosse 
Fi8tefgänge; die umliegenden Venen entzündeten sich. Der Ge 
ruch um den Kranken war unerträglich. Roborantia und An- 
tiseptica wurden, neben einer nahrhaften Kost und täglich \ Fla 
sche Bordeaux-Wein verordnet. Vom 20. Dec. an klagte Pat. 
auch noch über Beschwerde beim Kauen. Bis zum 22. entwi 
ckelte sich vollkommener Trismus. Das angstvolle Gesicht hatte 
ein grinsendes Ansehen. Die Mundwinkel waren gegen die Win 
kel des Unterkiefers gezogen. Die Zähne fest auf einander ge-
	        
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