Full text: (11. Band = 1835, No. 9-No. 16)

826 I. Pathologie, Therapie und mediciniscfae Klinik. 
stehen, als weitern Verlaufe deutlich nervösen Charakter. Un 
ter diesen Erscheinungen, die auf so nahe Beziehung, in der der 
Keuchhusten mit dem Nervensysteme steht, deuten; darf man sich 
gewiss die Folgerung erlauben:, dass derselbe, so wie auqh die 
acuten epidemisch - exajithematischen Kinderkrankheiten, Ursprung' 
lieh vom Nervensysteme ausgehe, und in demselben wurzle- 
Welche Partien des Nervensystems sind aber die beim Keuch 
husten zuerst ergriffenen? Die bei Entstehung und Entwickelung 
des Keuchhustens zuerst auf einen Locus affectus schliessen l» 8 ' 
senden Symptome sind Aeusserungen krankhaft veränderter Stim 
mung utid Thätigkeit des dem Respirationsprocesse vorstehenden 
Nervensystems, vorzugsweise des N. vagus. Offenbar erscheint 
die Sensibilität in dieser Nervenpartie nicht nur erhöht, sondern 
auch qualitativ abnorm. Die erhöhte Sensibilität, die jedes M 8 * 
vor dem Hustenanfalle den Culmiuationspuuct erreicht hat, wir® 
gleich elektrischer Entladung bis auf einen gewissen Grad durch 
den Anfall ausgeglichen. Fragt man nach einem äussern Grunde 
dieser erhöhten und veränderten Thätigkeit des Respirationsner- 
vensystems, so muss zunächst das Miasma oder Contagiuin > n 
Betracht kommen, das ohne Zweifel zuerst auf peripherische 
Partien des Respirationsnervensystems Einfluss hat. Wenn das 
Miasma oder Contagiuin unmittelbar mit der NerveusubstauZ 
in Berührung getreten ist, dürfte da nicht behauptet werden, das 8 
die Einwirkung nicht nur eine dynamische, schnell vorübergellende 
Störung des Nerven, sondern vielmehr durch die Reaction de» 
Organismus, nebst dem AUgetneinleiden dieses, noch veränderten 
Vegetationsprocess im ursprünglich afficirten Nerven begründe - 
Wäre es nur leichte, vorübergehende Reizung des Nerven, na 
mentlich nur in Theilen seiner peripherischen Endigung, 'W 6 
Hesse sich denn wohl die anhaltende und bedeutende Reaction 
des Gesammtorganismus,. und die so lange dauernde krankhaft 6 
Stimmung der ganzen Nervenpartie denken. Wohl aber ist dies e 
dauernde krankhafte Stimmung begreiflich, wenn man sie roh 
Veränderung in der Organisation des genannten Nerven und ab 
normer Vegetation desselben in ursächliche Verbindung setzt- 
Die Anatomie zeigt die zahlreiche Verbreitung und theilweis 6 
peripherische Endigung des Nerv, vagus in den Unterleibsorga 
nen; — wie Zweige und Geflechte dieses Nerven mit denen 
des splanclinischen in Berührung treten und anastomosiren; 
wie der Vagus sich zuletzt spurlos im Sympatliicus magnus ver 
liert. Hieraus lassen sich wohl ziemlich ungezwungen die Er- 
scheiuungeu ableiten, die im Anfalle des Keuchhustens hervor- 
treten, und es lässt sich zugleich auf momentan excentrisch er 
höhte Sensibilität des Magens schliessen. Hierher gehören z. 6- 
das Erbrechen, womit sehr oft die Anfälle endigen, so wie auch 
die Vomituritionen während und nach dem Anfalle. Ob und wel 
chen Einfluss der Nerv, vagus auf die Verdauung habe, bleib 6 
hier dahin gestellt; dass er aber bei organischer Verbindung W
	        
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