Full text: (11. Band = 1835, No. 9-No. 16)

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VI. Gynäkologie und Pädiatrik. 
ten. Bei der Untersuchung ergab sich Verhärtung des Zellgewe 
bes und zwar ganz in der Art, Wie sie neuerlich unter diesem 
Namen vielfach beschrieben worden ist'. Die Verhärtung dehnte 
sich von der Schambeinvereinigung bis zu dem noeh nicht ver 
heilten Nabel und seitwärts bis'über die Hüftbeine aöS'und schritt 
in den nächsten Tagen noch über die ganzen Unterextremitäten 
fort, wobei gleichzeitig Scrotum und Penis mitlitten. An den 
letztem Theilen war die Härte zwar geringer, als an den übri 
gen, immer aber noch so stark, dass das kleine Glied in halb- 
erigirtem Zustande mit wulstförmigem Präputium erhalten wurde. 
Ein Fortschreiten nach den Theilen oberhalb des Nabels fand 
übrigens nicht Statt. Die Hautfarbe war in den Verhärteten so 
wohl, wie in den nicht verhärteten Körpertheilen durchgängig 
mehr blass, so dass in dieser Hinsicht die gesunden Theile sich 
von den kranken nicht unterschieden. Die Stuhlausleerungeti' 
zeigten sich einige Male von Zeit zu Zeit grünlich , ungefähr wie 
nach Kalomel-Gebrauch. Hervorstechendes Fieber nahm man 
nicht wahr. Ausserdem schrie das Kind fast unaufhörlich, doch 
seinem Alter angemessen kräftig,- nicht wimmernd. Als das Ue- 
bel die beschriebene Ausdehnung erlangt hatte, nahm es nicht' 
sowohl an Ex-, als an Intensität zu, auch kam noch am 4. Tage 
Blepharophthalmie des linken Auges dazu, die jedoch nicht be 
deutend war und bald gehoben wurde. Auf dem höchsten Grade 
der Ausbildung schien das Uebel • ungefähr 8 Tage zu stehen, 
dann fing die Rückbildung an, die sich dadurch zu-erkennen gab,' 
dass die Weichgebilde an den Unterextremitäten, also an den 
zuletzt erkrankten Theilen, weicher wurden; diesen folgten die 
übrigen Theile und ganz zuletzt die Stelle, von der die Krank 
heit begonnen. Mit beginnender Wiedergenesung trat vermehrte 
Turgescenz nach der Haut ein und gleichzeitig mit dieser Tem 
peratur-Erhöhung erschienen über den ganzen Körper Eruptio 
nen von unregelmässiger Gestalt und ohne bestimmten, am mei 
sten noch den Hitzbläschen gleichkommenden Charakter. Die 
früher verhärteten Theile waren nach gänzlicher Zertheilung un 
gewöhnlich schlaff, so dass die Weichgebilde der Unterextremi- 
täten an denselben, wie an Stöcken, hingen. Eine Ursache war’ 
weiter nicht zu ermitteln, als dass das ganz leicht bekleidete. 
Kind bei offenem Fenster gelegen hatte, also wahrscheinlich er 
kältet worden war. Da die Mutter, eine Erstgebärende, kräftig 
und gesund war und sich in der Lactation durchaus nichts Un 
regelmässiges vorfand, so konnte das nöthige Heilverfahren, das 
zuerst zweckmässige Ernährung und dann Bethätigung der Haut 
function zum Zwecke hatte, leicht ausgeführt werden. Der er 
sten Anforderung wurde, da das Kind die Brust gut nahm, durch 
die Muttermilch genügt, die Mutter auf- angemessene Diät ge 
setzt und ihr, um ihre Aufmerksamkeit zu fesseln, ein Pulver 
aus Magn. curlh, Fenchel und Rheum. verordnet. Der 2. Au-
	        
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