Full text: (11. Band = 1835, No. 9-No. 16)

208 IV. Materia medica und Toxikologie. 
gewöhnlich mild, zuweilen aber auch so heftig sind, dass man 
den Indigo aussetzen muss. ß. beobachtete mehrmals, dass die 
Kranken, die nicht erbrachen, stärkere Koiikzufälle bekamen. 
Durch die anhaltende Diarrhöe bildet sich übrigens Gastrose mit 
Appetitmangel, Druck und Schwindel des Kopfes, ja bisweilen 
Flimmern vor den Augen aus. Auch Störung des Allgemeinge 
fühls ist nicht selten. — Sämmtliche Kranke, die den Indigo 
nahmen, Hessen eigenth üm lich gefärbten Urin, nämlich 
dunkelvioletten. Nach der Tageszeit der Absonderung änderte 
sich die Farbe. Am dunkelsten war sie am Morgen, viel weni 
ger dunkel Abends. Auf die Menge des Urins schien der Indigo 
keinen Einfluss zu haben. Diese eigene Färbung des Urins brachte 
den Yerf. darauf, ilm chemisch untersuchen zu lassen, um ge 
wiss zu werden, ob etwa färbende Bestandteile des Indigos im 
Urinc aufgelöst und aus demselben wieder darstellbar wären. 
Fharmaceut IIirschbkrg unterzog sich dieser Untersuchung, war 
aber der Meinung, dass sich aus diesem Urin Indigobestandtheile 
nicht darstelleu Hessen, weil jener stets sauer reagire und also 
die chemische Analyse zu keinem Resultate führen könne. Dass 
der Schweiss blau gefärbt, oder überhaupt gefärbt wurde, hat 
R. nicht wahrgenommen, wohl aber verfielen Einige nach mehr 
wöchentlicher Anwendung des Indigos häufig in leichte Convül- 
sionen, denen ähnlich, die nach Strychninum nitricum entstehen 
und sich in leichten Zuckungen und Sehnenhüpfen äussern. — 
Anwendungsformen und Dosen des Indigos und Ver 
bindungen desselben mit andern Mitteln. Anfangs nah 
men die Kranken den in Handel vorkommeiuleii, reinsten Indigo 
von Guatiraala in Pulverform, doch klagten sie bald über 
grosse Schwierigkeit, das Pulver, das seiner Leichtigkeit wegen 
viel Raum einnimmt und stark aufträgt, hinunterzuschluckcn. In 
dem es nämlich hinter den Isthmus faucium kommt, müssen sich 
die Constrictoren des Schlundes so gewaltsam zusammenziehen, 
dass dadurch sehr leicht Krämpfe dieser Theile entstehen, w'or- 
aus sich auch erklärt, warum der Indigo in Pulverform weit mehr 
Erbrechen erregt, als wenn er in anderer Form gegeben wird. 
Hierzu kommt noch, dass das Pulver sich sehr schwer mit dem 
Speichel mischt und daher ein Theil desselben an Zähnen und 
Weichtheilen der Mund- und Rachenhöhle hängen bleibt. Es 
nützt auch nichts, Wasser oder sonst etw-as nachzutrinken, weil 
sich der Indigo damit nicht verbindet. Dies Alles war die Ur 
sache statt der Pulverform die des Electuarium zu wählen. Mischt 
man nämlich einen Theil Indigo mit 2 Theilen Syrup und ein 
wenig Wasser, so hat man eine sehr gut zu nehmende Latwerge, 
die nur den Nachtheil hat, dass sie die Diarrhöe, die der Indigo 
stets erzeugt, vermehrt. Da jedoch die Kranken, besonders die 
weiblichen, die Latwerge lieber nehmen und durch vermehrte 
Diarrhöe das Erbrechen in gleichem Grade verringert wird, so 
verdient wohl die Latwerge den Vorzug. Um zu verhüten, dass
	        
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