Full text: (11. Band = 1835, No. 9-No. 16)

290 IV. Materia medica und Toxikologie. 
äussernng des kranken Nervensystems. Bei Allen musste man 
den nächsten Sitz , der Krankheit im Sensorium und Cerebral- 
Nervensysteme suchen. Bei Keinem schien die Epilepsie durch 
Vermittelung krankhafter Affectionen des Rückenmarks bedingt. 
Die meisten dieser Kranken waren schon durch die ihrer Indivi 
dualität entsprechenden relativ kräftigsten Mittel und zwar meist 
erfolglos behandelt worden. Dennoch hielt man es nicht für un 
recht , noch ein neues Mittel bei Vielen dieser Kranken anzu 
wenden. So bekamen denn gleich anfangs Mehrere den Indigo. 
Als die Wirkung des Mittels deutlich hervortrat, wählte man un 
ter den Kranken, indem man nach Stärke der lleaction entweder 
Manche von Anwendung des Indigos ganz ausschloss, oder den 
selben durch Ilegulirung der^ Gaben hinsichtlich der Zeit und 
Quantität den Kranken anpasste. Von den Epilepsieen, deren 
Entstehung und Unterhaltung auf organischen Fehlern beruhten, 
wurden später ebenfalls Einige für den Gebrauch des Indigos 
ausgewählt und so fanden sich denn von den Epileptischen, die 
R. in 8 Monaten in der Charite beobachten konnte, nur sehr 
Wenige, die nicht Indigo bekommen hätten. Das sich bis jetzt 
ergebende Resultat ist ungefähr folgendes: Der Indigo bringt bei 
Epileptischen last immer dieselben unmittelbaren Wirkungen her 
vor; seine spätem Erfolge richten sich nach dem Vitalilütsgrade 
des Nervensystems, nach Art und Dauer der Epilepsie: sie sind 
vorteilhaft bei allen idiopathischen Epilepsieen, heilend bei de 
nen dieser Art, die noch nicht sehr lange bestanden, bessernd 
bei sehr chronischen, idiopathischen Epilepsieen. Von den sym 
ptomatischen wurden nur wenige durch Indigo gebessert, keine 
geheilt. — Wirkung des Indigos auf den Körper. Zuerst 
wendete, wie v. Leshösslk berichtet, Prof. v. Stahly den Indigo 
innerlich als Heilmittel au. Ihn soll dazu die Meinung bewogen 
haben, dass die Hände kranker Färber, die mit Indigo arbeiten, 
durch diesen blau würden, gesunde dagegen eine solche Verän 
derung ihrer Hände nicht erlitten, v. Stahly wählte für seine 
ersten Versuche Nervenkrankheiten, vorzüglich spasmodische, und 
heilte mehrere Epileptische durch innere Anwendung des Indigos. 
Diese Fälle machte sein Sohn {De Epilepsia. Rudae 1832) be 
kannt und in der Schrift desselben findet sich Folgendes: In den 
ersten Tagen nach Verabreichung des Indigos leiden die Pat. an 
leichter Diarrhöe, die jedoch, sobald der Indigo von den Ver- 
dauungsorganen leichter assimilirt wird, ohne Gegenmittel von 
selbst anfhört. Selbst bei erhöhter Gabe, bis zu 2 Unzen, ist 
nichts weiter als blaue Färbung des Schweisses und der Excre- 
mente zu bemerken. Dies kann bei manchen Kranken der Fall 
6eyn, bei den meisten aber treten ganz andere Erscheinungen 
ein. Fast bei Allen, mit wenigen Ausnahmen, entsteht nach dem 
Indigo Würgen und selbst Erbrechen. Im Augenblicke 
des Einnehmens empfinden die Kranken fast nichts, da der In 
digo weder Geschmack, noch Geruch hat. Bald darauf aber
	        
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