Full text: (11. Band = 1835, No. 9-No. 16)

111. Pathologie, Therapie und medicinische Klinik. 291 
verglichen und, von der Aehnlichkeit in der äussern Erscheinung 
abgesehen, findet sich auch zwischen beiden dem Wesen nach 
JJebereinstimmung, da gewisse organische Verrichtungen, die man 
Wn Schlafe nur für latent halten muss, doch im Vergleich mit 
dem Wachen so gut als nicht vorhanden sind. Ja bisweilen ge 
hen Schlaf und Tod so unbemerkt in einander über, dass es 
schwer ist, einen vom andern zu unterscheiden, noch schwerer 
sher, die Zeit anzugeben, wo Einer die Rolle des Andern über 
nommen hat. Zweifelsohne erfolgt bei vielen Geschöpfen der 
^°d so, indem er durchs Medium des Schlafs hindurch geht, 
^enigstens erwachen wohl viele von denen, die im Anfänge des 
Sinters entschlummern, im Frühlinge nicht wieder. Auch bei 
Menschen im hoben Alter, wo die Kräfte so geschwunden sind, 
dass sie sich nicht wieder ermannen können, tritt oft der Tod 
hl der freundlichen Gestalt des Schlafs heran. So fand Pinel 
h* der Salpetriere, dass 99jährige Frauen in Schlummer fielen, 
der sich bald als Tod auswies. Ein ähnliches kaum bemerkli- 
®hes Erlöschen des Lebens bemerkt man auch in Folge mancher 
Krankheiten, in denen die Lebensthätigkeit gewissermaassen bis 
aut den letzten Rest aufgezehrt ist; so bei manchen heftigen, 
iii Brand übergehenden Entzündungeil. In diesen Fällen scheint 
die Art, wie der Tod sein Opfer nimmt, eben nicht räthselhaft, 
höchst auffallend muss es aber seyn, wenn Menschen in der 
Kraft des Lebens, ohne äussere Veranlassung und ohne vorher 
gehende Krankheiten, oder doch ohne bedeutendes Uebelbefin- 
den, scheinbar gesund entschlafen und nicht wieder erwachen. 
Sind Fälle der Art auch selten, so kommen sie doch vor, und 
8* hat deren schon mehrere erlebt. Der zuletzt ihm vorgekom- 
inene scheint deshalb nicht ohne Interesse, da die Siection ge- 
•Oacht werden konnte, wenn auch das Resultat derselben nicht 
war, dass es die Ursache des Todes ausser allen Zweifel ge 
atzt hätte. Eine 49jährige, ziemlich starke, wohlgebildete, durch- 
8,18 nicht mit Habitus apoplecticus begabte brau von sanftem 
Cemüthe und hellem klarem Verstände, aber etwas sensibler 
Constitution, war bis ins 46. Jahr immer gesund. Um diese Zeit 
Verlor sie ihre Regeln und klagte nun oft über Eingenommen 
st des Kopfs, Schwindel, Kopfweh und Gefühl von Erhitzung, 
Reiche Zufälle jedoch kühlenden Mitteln bald wichen und auL 
ihr Befinden so wenig einwirkten, dass sie sich einige Jahre dar- 
au f ganz wohl fühlte, und ihrem Hause mit grosser Ihätigkeit 
Vorstand. Im Mai v. J. klagte sie über drückenden Schmerz 
in der Magengegend, der sie bewog, sich- nur mit weniger, leicht 
Verdaulicher Nahrung zu begnügen, weil mehrere und derbere 
das Uebel vermehrten, und sich einige Mittel verordnen zu las- 
® en , worauf sich das Magenübel völlig wieder gab, so dass sic 
alles gut vertragen konnte. Im Juni, ungefähr 8 Tage vor ihrem 
*°'>e, beschwerte sie sich oft wieder über Blutwallungen und 
Müdigkeit in den Beinen. Da es aber gerade sehr heiss war, 
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