Full text: (11. Band = 1835, No. 9-No. 16)

282 III. Pathologie, Therapie und tnedicinische Klinik. 
nen freiem Spielraum zwischen weichen Theilen, so dass sic 
leichter ausweichcn kann, wenn Erschütterungen ihre Gegend 
treffen. So leicht ist also eine Ruptur nicht möglich, es wäre 
denn, dass die Hippen zerbrochen würden, oder dass die Ver 
letzung in schiefer Richtung und von unten nach oben beige- 
bracht werde, oder dass, während der angefüllte Magen die 
Milz mehr einpresst, die Gewalttätigkeiten, welche die Milz 
gegend treffen, härter wirken. Daher kömmt es auch, dass eine 
gesunde Milz selten durch äussere Gewalt zerrissen wird, ausge 
nommen bei Kindern, bei denen das Organ mehr nach vorn liegt 
und über den Rand der falschen Rippen etwas hervorragt. — 
Das weiche Gewebe der Milz begünstigt die Zerreissbarkeit der 
selben. Sie besteht grösstentheils aus der in eine unendliche 
Menge dünnhäutiger Canäle geteilten Vene. Zwischen diesem 
weichen und leicht zerreissbaren Canalgewebe befindet sich noch 
das fibröse, welches die Substanz in verschiedenen Richtungen 
netzartig durchzieht, beim Menschen fein und nicht geeignet ist, 
grossen Widerstand zu leisten. Wenn man die zerschnittene Flä 
che der Milz, zumal einige Tage nach dem Tode, mit dem Rü 
cken eines Skalpels schabt, so kann man den Inhalt des Organs 
heraustreiben, so dass bloss das Fasergewebe und die stärkeren 
Arterienzvveige Zurückbleiben, was noch leichter durch Macera- 
tion bewirkt wird. Dieses Fasergewebe giebt der Milz innerlich 
ihren Zusammenhalt, wie es die Häute von aussen thun. Mail 
begreift also, dass die Milz keinen hohen Grad von Festigkeit 
besitzt. — Vermöge der grossen Nachgiebigkeit der Vene und 
der von ihr gebildeten Canäle besitzt die Milz eine grosse Es- 
pansibilität. Bei der Nachgiebigkeit und Weite der Vene und 
ihrer Canäle, bei dem bedeutenden Blutgehalte derselben und 
der, einen starken Blutvorrath hinzuführenden, ansehnlichen Ar 
terie der Milz entstehen leicht krankhafte Blutansammlungen, 
passive oder active Congestionen, welche Zerreissungen vorberei 
ten oder veranlassen können. — Verf. ist ferner geneigt, auch 
der Function der Milz Schuld zu geben, dass sie Prädisposition 
zur Ruptur gebe; erwähnt jedoch auch, dass die gesunde 
Milz nur selten zerreisse und dass oben kennen gelernte Consi- 
stenz derselben sie gewissermaassen durch Nachgiebigkeit gegen 
Gewalteingriffe schütze, es sey denn, dass die Gewalt, welche 
auf das Organ einwirkte, zu gross war. — In medicinisch-ge 
richtlicher Hinsicht kommt viel darauf an, zu erfahren, ob die 
Milz schon vor der Verletzung krank war oder nicht. Man muss f 
in solchen Fällen wohl berücksichtigen, wie lange der Kranke 
noch nach der Verletzung lebte. Starb er unmittelbar während 
oder gleich nach derselben, so wird, vorausgesetzt dass die Se- 
ction bald vorgenommen wird, eich noch mit ziemlicher Gewissheit 
bestimmen lassen, ob das Organ schon vorher gelitten oder nicht. 
Ueberlebt der Verletzte seinen Unfall noch mehrere Tage, so wer 
den Veränderungen in der Substanz der verletzten Milz Vorgehen,
	        
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