Full text: (11. Band = 1835, No. 9-No. 16)

278 III. Pathologie, Therapie und mediclnisehe Klinik. 
hat L. z. B. beim Keuchhusten nicht ein Mal einen Versuch ge* 
wagt. — Beispielsweise erwähnt er indess 2 Fälle, von denen 
einer ein erwachsenes Mädchen, der andere einen Knaben be 
traf. I. Vor ungefähr 3 Jahren kam ein lOjähriges Mädchen 
aus dem Innern Russlands in Petersburg an. Sie war so völlig 
körperlich ausgebildet und überdies so dick, wie es selten io 
diesem Alter vorkommt. Bei starker Gesichtsröthe und sehr star 
ken Brüsten waren die Katamenien nur schwach. Das Tempe 
rament war phlegmatisch und stimmte mit fast ganz sitzender 
Lebensweise bei reichlicher Ernährung. Die Bemühungen des Vfs-, 
dem übermässigen Fettwerden, so wie den stockenden Ausschei 
dungen entgegen zu arbeiten, wurden von den Umständen nicht 
begünstigt. Eine marieubader Wassercur im Sommer 1832 brachte 
keinen Nutzen. An einem November-Abend desselben Jahres 
wurde L. schnell gerufen. Er fand des Mädchen, das seit ei 
nigen Tagen etwas gehüstelt hatte, in furchtbarem, fast ununter 
brochenem Husten begriffen. Derselbe erfolgte mit lautem Tone, 
in kurzen Absätzen. Das Gesicht war überroth und die Brust 
schien zerspringen zu wollen. Athem und Blutbevvcgung waren 
bei dem beständigen Husten nicht genau zu untersuchen. Din 
Vitalindication forderte Aderlass. Man entzog daher sogleich 2 Pfd* 
Blut, doch der Husten, der schon die äusserste Höhe erstiegen 
zu haben schien, wurde noch heftiger. Das Blut zeigte keine 
Entzündungshaut und enthielt ziemlich viel Wasser bei derbem 
Blutkucheu. In den nächsten Stunden legte man nun Senfteige 
und spanische Fliegen und gab grosse Gaben Nitrum in Emul 
sion, doch das Uebel blieb dasselbe. Jetzt liess L. 10 Gr. Do- 
VER’sches Pulver nehmen, und als darauf Erleichterung folgte, 
nach einer Stunde wieder so viel und nach einer abermaligen 
Stunde nochmals 10 Gran. Der Husten machte nun Zwischen 
räume von einer Viertelstunde, in denen man sich ganz genau 
von der krampfhaften Natur desselben überzeugen konnte. Da 
nun am Abende der Husten wieder heftiger wurde, gab L. 3 Gr. 
Opium in Substanz. Nun blieb der Husten auf Stunden ganz 
aus. Nach mehreren Stunden gab man eine 2. solche, und am 
nächsten Morgen eine 3. Gabe. Von Narkotismus zeigte sich 
nichts, selbst nicht ein Mal Verstopfung trat ein, dagegen war 
der Husten bis auf unbedeutende Spuren ganz verschwunden. -— 
Im Nov. 1833 trat ein gleicher Hustenanfall ein, wobei L. wie 
der Blut entziehen zu müssen glaubte, was jedoch auch dies Mal 
ohne Nutzen war. Er nahm nun sogleich zum Opium seine Zu 
flucht, von dem 12 Gr. in Gaben von 3 Gr. binnen 48 Stunden 
das UebeJ ganz beseitigten. Die Wirkung nach der ersten Gabe 
war gleich so günstig, dass man Pat. nur mit Mühe von zu häu 
figer Anwendung des Mittels abhalten konnte. Narkotismus er 
folgte auch dies Mal nicht. An demselben Novembertage 1834 
erfolgte wieder Abends ein furchtbarer Hustenanfall. Da man 
einen solchen schon seit mehrereu Tagen belürchtet und da k.
	        
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