Full text: (11. Band = 1835, No. 9-No. 16)

240 IV. Materia medica und Toxikologie. 
dem Stocke einige Schritte laufen. In der 8. Woche machte er 
kleine Spaziergänge. Lauge danach besuchte er ein Mal den Vrl., 
wo denn dieser fand, das» Empfiudungs- und Bewegungsthätigkeit 
hergestellt, die Ernährung des Gliedes aber noch zurück war. — 
Ad II. Ein lOjähriges, sehr lebhaftes, graciles Mädchen verfiel 
durch Schreck über den Tod ihrer Mutier in die heftigsten Kriiin- 
pfe, so dass sie stets von 3 — 4 Personen gehalten werden musste. 
In diesem Zustande brachte man sie ins Armenkrankenhaus zu 
Offenburg, wo S. damals als Substitut fungirte. Er nahm diese 
Anfälle für hysterisch und verordnete Mittel, die dieser Ansicht 
entsprachen. Am Abende des 2. Tages Hessen die Convulsionen 
nach und das Bewusstseyn kehrte zurück. Als Pat. gleich dar 
auf, natürlicher Verrichtungen wegen, das Bett verlassen wollte, 
fühlte sie völlige Empfindungs- und Bewegungslosigkeit in beiden 
untern Extremitäten. An beiden Gliedmaassen gelähmt, brachte 
sie nun, unter sorgfältiger, diätetischer Pflege und antispasmo- 
disclier, bald excitirender, bald deprimirender Behandlung lange 
im Spitale zu, indem mau damit Einreibungen, Bäder, anfangs 
mit krainpfstillenden, dann mit Beiz-Mitteln, später mit Seesalz 
und zuletzt den Galvanismus verband, doch alles fruchtlos. Nur 
durch das Galvanisiren schien es sich etwas, doch auch nur vor 
übergehend zu bessern. Endlich verordnete der Vf. das Strych 
nin und liess nach Magendie aus 2 Gr. mit Conserv. rosar. 5$ 
24 Pillen machen, wovon Pat. früh und Abends Eine erhielt. 
Der Erfolg war auffallend, denn schon am 3. und 4. Tage spürte 
Pat. ein eigenthümlich prickelndes Gefühl, eine Art Ameisenkrie 
chen , die das Erwachen der zeither schlummernden Nervenkraft 
verkündete. Pat. musste nun Nachts mit einer Pille steigen. 
Das Leben kehrte nun täglich merklicher in die kranken Glie 
der zurück, bis auf ein Mal am 10. Tage ein dem ersten ähn 
licher hysterischer Krampfanfall die so weit vorgeschrittene Bes 
serung aufhob. Wie mit einem Hauche war nämlich die frühere 
Lähmung zurückgekehrt. Nachdem diese neuen Krämpfe wieder 
gehoben waren, fing S. aufs neue an, das Strychnin innerlich 
und äusserlich — äusserlich als Tinct. nuc. vom. — anzuwenden. 
Die erwähnten Erscheinungen des zurückkehrenden Lebens stell 
ten sich wieder ein, und nach ungefähr 5 Wochen konnte Pat. 
das Spital verlassen. Seit einem Jahre ist sie wieder ganz ge 
sund in Diensten. Noch nie hat dem Vrf. ein Mittel so entspro 
chen, wie hier das Strychnin. — Ad III. Ein 14jähriger, etwas 
verkümmerter, gelb aussehender Knabe bekam im 12. Jahre, ohne 
bekannte Ursache, einen epileptischen Anfall, der ein ganzes Jahr 
ansblieb, im 13. Jahre sich aber wieder einstellte. Ira letztem 
Anfälle wurde auch der rechte Arm krampfhaft verzogen, der 
seitdem noch krumm gebogen und schlecht genährt ist und des 
sen Bewegung schon aufgehoben war. Die Eltern wendeten nur 
Hausmittel au und steckten unter Andern den Arm in die Haut 
eines frisch geschlachteten Rindviehs, was dem Kranken reiht
	        
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