Full text: (11. Band = 1835, No. 9-No. 16)

2X8 III. Pathologie, Therapie und medicinische Klinik. 
zugenommen. Pat. konnte von nun an nur, mit den Händen sich 
festhaltend, wenige Schritte lliun. Auch Schlingen und Ausspu 
cken wurden beschwerlicher und die Neigung zum unwillkürli 
chen Lachen nahm sehr zu. Von der Lähmung abgesehen Hess 
das Befinden sonst wenig zu wünschen übrig. Schlaf und Appe 
tit waren gut, das Gedächtniss ganz treu, Geisteskraft und Sinne 
eher gesteigert, das Gefühl auf der ganzen Haut von ausser 
ordentlicher Feinheit und Pat. daher gegen alle Berührungen 
höchst empfindlich. Diese Schärfe der Sinne und des Gefühls 
hielt bis zum Tode an. Schmerzen fanden sich eigentlich gar 
nicht, nur zuweilen that der Kopf weh und dann mehr die linke 
Seite des Hinterhaupts, auch war wohl Klingen im linken Ohre 
zugegen. Pat. erhielt unter diesen Umständen wenig Medicin 
und wurde auf ferne Mittel, z. B. auf das Seebad, vertröstet. 
Einige Male setzte man Blutegel hinter das linke Ohr. Am 28. 
Mai 1832 stellte sich ganz unerwartet nach dem Mittagsschlafe 
wieder ejn dem ersten ähnlicher Fieberanfall ein. Ef war mit 
heftigem Würgen bis zum Erbrechen verbunden und die Läh 
mung war vollständig, auch fand sich ein höchst lästiges Zurück 
beugen des Kopfs nach hinten vor, weshalb er durch Zeichen 
andeutete, dass man ihm fortwährend den Kopf nach vorn hal 
ten möge. Das Bewusstseyn war ganz frei. Auch diese Fieber 
periode ging bei ähnlicher Behandlung, als das erste Mal, wie 
der vorüber, bezeichnete aber neue Verschlimmerung, denn es 
traten von der Zeit an allgemeine Krämpfe ein, wobei die Glie 
der ausgestreckt und der Kopf hinten über gebogen wurde. Diese 
Krämpfe waren am heftigsten beim Aufstehen. Unausgesetzte 
Beobachtung des Kranken und Bell’s Entdeckungen über die Be 
deutung der einzelnen Theile des Nervensystems führten den 
Vrf. endlich zu einer genauem Kenntniss des Sitzes des Uebels. 
Die Lähmung der obern und untern Extremitäten bewies deutlich, 
dass die vordem Stränge des Rückenmarks hoch oben in ihrer 
\errichtung gehemmt seyn mussten, während die gesteigerte Em 
pfindlichkeit der ganzen Haut für ungestörte, oder selbst gestei 
gerte Thätigkeit der hintern Stränge des Rückenmarks sprach. 
Die Gesichtskrämpfe, namentlich das unwillkührliche Lachen, deu 
teten klar auf krankhafte Reizung des Nerv, facialis, so wie die 
spätere krampfhafte Zurückbeugung des Kopfs auf ähnliche Affe- 
ction des N. accessorius. Das Unvermögen zu schlingen und zu 
sprechen während der ^Vechselfieberanfälle liess sich nur aus 
Affection der N. hypogboss. glossopharyng. und vagi erklären, sey 
es nun, dass diese Affection sich mehr dem Krampfe durch ent 
zündliche Reizung, oder mehr der Lähmung durch zu grosse 
Ueberfüllung und Druck näherte. Alle diese Nerven entspringen 
aber ganz, oder doch theilweise vom verlängerten Marke, und U. 
nahm daher an, dass das Uebel im verlängerten Marke seinen 
Sitz haben und in demselben besonders die vordem Stränge des 
Rückenmarks betreffen müsse. Diese Meinung sprach der Verf.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.