Full text: (11. Band = 1835, No. 9-No. 16)

III. Pathologie, Therapie und medicinische Klinik. 205 
ganzen übrigen Ausdehnung der rechten Lunge vernahm man kei 
nen Ton, ausser in der Gegend der 5. Rippe, wo sich Aego- 
plionie eingestellt hatte. Die linke Lunge gab die früher bestän 
dig beobachteten Geräusche. Man schloss aus den angegebenen 
Zeichen auf eine acute Pleuritis init starker Gasentwickelung in 
nerhalb der Pleurahöhle; war aber bald im Stande, alle Vermu- 
thungeii bestimmter auszusprechen , als bei wiederholter Unter 
suchung, wenn die Kranke vorwärts gebeugt aufrecht sass und 
die untere Hälfte des Rückens auscultirt wurde, deutlich von 
Zeit zu Zeit das Metallklingen zu hören war. Lag die Kranke 
aber auf dem Rücken und auscultirte man die vordere flrust- 
hälfte, oder legte man das Ohr oberhalb der Spina scapulae an, 
so liess sich von diesem charakteristischen Zeichen nichts ver 
nehmen. Das Metallklingen verbunden mit dem plötzlichen Auf 
treten aller heftigen Symptome, namentlich der eigenlhiimlichen Dys 
pnoe und des bestimmten Schmerzes in der Achselhöhle zeigte 
an, dass man es mit einer Perforation der Lungensubstanz zu 
thun hatte, und dass in diesem Falle die Pleurahöhle durclt die 
perforirte Stelle mit den Bronchien communicirte. Bei der Se- 
ction fand man, dass die rechte Lunge in ihrem oberu Dritt- 
theile mehrere Vomicae von der Grösse eines Kirschkerns bis zu 
der einer welschen Nuss enthielt, welche mit Eiter gefüllt waren, 
f Etwa dem Winkel der 3. Rippe gegenüber nach vorwärts zeigte 
sich eine graugelbliche Stelle Zoll lang und 1 Zoll breit, 
welche sich ganz wie ein Brandschorf verhielt. An den beiden 
Enden dieser Stelle bemerkte man 2 Spalten in der Lungensub 
stanz, welche mit den Bronchialästen in Verbindung standen und 
den schon vor dem Tode erkannten Pneumothorax und alle an 
dere Erscheinungen verursacht halten. Um diese Luftansamm 
lung vor der Eröffnung des Thorax erweisen zu können, setzte 
man einen kleinen mit Wasser gefüllten Cylinder fest auf die 
Brust und machte unter dem Wasser einen Einschnitt, durch 
welchen eine grosse Menge von Luft hervordrang. Man fand aus 
serdem eine 8 Unzen starke eiterige Ansammlung in der rechten 
Pleurahöhle. — Bekanntlich ist man mit der Erklärung des Metall- 
klingens noch nicht im Reinen. Ansammlung von weniger Flüssig 
keit und Luft innerhalb der Pleurahöhle und Communication der 
letzteren mit den Bronchien sind die Umstände, unter welchen bis 
jetzt dieses Geräusch beobachtet worden ist. Laennec meint nun, 
dass die Lunge bei ihrer Bewegung an die angesammelte Flüssig 
keit und die Thoraxwände, welche durch die in ihnen enthaltene 
* Luft tönender geworden sind, anschlüge und so das eigenthümliche 
Klingen hervorbrächte. Louis nimmt an, dass dieser feine Ton 
durch die von den Pleurawänden oder aus den Bronchien durch die 
Fistelöffnung herabträufelnde Feuchtigkeit, welche in das unten an 
gesammelte Exsudat fiele, hervorgebracht werde. Die zusammen 
gedrückte Lunge, meint Louis, habe zu schwache Bewegung, uni 
durch Anschlägen ein Geräusch erzeugen zu können. — Es erhellt
	        
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