Full text: (11. Band = 1835, No. 9-No. 16)

IV. Materia medica und Toxikologie. 167 
entstanden,, doch heilte diese das Kreosotwasser nach 2tägiger 
Anwendung. Jetzt nimmt Pat., zur Verhütung jedes Rückfalls, 
kalte Seebäder. — Auch innerlich hat 0. das Kreosot und zwar 
gegen Lungenschwindsucht gegeben. Er mischte 1 Tropfen mit 
1 Theelöffel arab. Gummipulver und gab dies 3—4 Mal täglich 
in solchen Fällen, die weit vorgeschritten und von stinkendem, 
faulem Auswurfe, colliquatiren Symptomen, Hektik etc. begleitet, 
doch ohne Schmerzen in der Brust waren. Nach Allem kann er 
das Kreosot gegen diese Krankheit nicht rühmen. Zwar muss 
es in Lungensucht da passen, wo Ol. Asphalti angezeigt ist und 
wohl faulen Auswurf verbessern können, aber dass man damit 
schon entwickelte Lungensucht heilen könne, lässt sich wohl nicht 
erwarten. Am allerwenigsten möchte es, wo entzündliche Zei 
chen zugegen sind, am Platze seyn, denn auch O. beobachtete 
danach Schmerzen und Brennen in der Brust. [Casper'a Wochen- 
schr. f. d. ges. Iieilk., 1835, Nr. 16.] 
4)3. Üeber den Gebrauch des Grotonölsj von 
Dr. Ollenroth in Bromberg. Wie bekannt hat Conwell das 
schon vor länger als einem Jahrhunderte bekannte, in Europa 
aber lange schon wieder vergessene, in Indien dagegen als Pur 
girmittel allgemein gebräuchliche Crotonöl bei den europäischen 
Aerzten wieder in Erinnerung gebracht und in England 1820 wie 
der eingeführt. Inzwischen ist dies fettige und schmierige, gelb- 
braune, mit scharfem Principe und dem schärfsten Gesehmacke 
begabte, aus dem Samen des Croton Tiglium durch Auspressen 
erhaltene Oel gewiss von den meisten Aerzten benutzt und als 
eins der heftigsten drastischen Mittel, die nur in der kleinsten 
Gabe und mit der grössten Vorsicht angewendet werden dürfen, 
erkannt worden. Der wirksame Bestandtheil dieses Oels ist das 
scharfe, 45 Proc. seiner Masse constituirende Princip. Die Wir 
kung tritt sehr schnell ein und äussert sich, neben der purgiren- 
den Eigenschaft, nicht selten auch durch Erbrechen und ver 
mehrte Absonderung des Urjns. Nach Conweu. ?eicht der ein 
mal, eingeathmete Geruch hin, um bei einem jungen Mädchen 
Pjirgiren zu erregen; ein Versuch, der bei einem Erwachsenen 
nur einige Uebelkeit hervorbrachte. Nach Recamier’s, Kapeler’s 
und Baliat’s Versuchen reichten 1 — 2 Tropfen hin, um 12—20 
Stuhlausleerungeu hervorzubringen. Sonst war ein Tropfen Cro 
tonöl, in Canariensect genommen, ein gewöhnliches Purgirmittel. 
Nimmo giebt p. d. 14. Tropfen des Oels, in \ Drachme Alkohol 
gelöst, mit schleimigem Vehikel und lässt Milch nachtrinken. 
Magjendie liess 1 oder i Tropfen als Purgirmittel nehmen und 
versichert, dass das Crotonöl in grossem Gaben ein starkes Dra- 
sticum sey und häufiges Brechen, so wie heftige Darmentzündnng 
hervoi rufe. Die neueste Pharm, boruss. bezeichnet 1 Tropfen als 
die grösste Gabe. 0. hat das in Rede stehende Mittel nicht sei 
len als Purgirmittel in Pillenform, und zwar p. d. zu ^—-J-Tro- 
Pfsn und nie ohne Erfolg gegeben. Als ableitendes Mittel liess
	        
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