Full text: (11. Band = 1835, No. 9-No. 16)

156 III. Pathologie, Therapie und rnedlclnlsche Klinik. 
Bichat’s hervor. Die Grundsätze eines Jourdaiv, eines Broussais 
gellen auf nichts Geringeres aus, als diese Theorie völlig zu 
vernichten. Mit jedem Tage vermehren (?) sich auch die An 
hänger der neuen, einfachen Beliandlungsweise. Nicht nur in 
Frankreich, sondern auch in England, Amerika, Schweden, Dä 
nemark und in einigen Theilen Deutschlands hat sie sich ver 
breitet; der Erfolg hat die Erwartung übertroffen. Verf. erläu 
tert gewissermaassen die Geschichte der neuen, s. einfachen, s. ra 
tionellen, s. antiphlogistischen Behandlung. In Frankreich machte 
inan 1548 die ersten Versuche, die venerischen Leiden ohne 
Quecksilber zu heben, so: Fallopius, Fkrnelius, Paulmier, so 
168(5 Blegsiy. Wir übergehen die verschiedenen einzelnen Ge 
währsmänner (mit sammt ihrer häufig sehr falschen Schreibart), 
welche für die neue Behandlungsweise angeführt werden, und 
theilen nur die Resultate mit, welche Verf. aufzeichnct. Zu 
Rennes soll die einfache Behandlung so vortheilhaft ausgefallen 
seyn, dass das Missverhältnis» zwischen den beiden Behandlungs- 
weisen ungeheuer war. Uebrigens wurden von 61 Rückfällen 
nach einer, wie nach der andern Behandlung, 12 mit und 52 
ohne Mercur behandelt. Die 12 Fälle erforderten 1082 Tage, 
während die 52 übrigen nur 1863 brauchten, was für erstere 
eine Durchschnittszahl von 81, für diese dagegen von nur 35 
Tagen ergiebt. In dem Hospitale der Venerischen zu Paris wur 
den von 512 Kranken 839 durch die einfache Methode behan 
delt. Die mittlere Dauer der Cur betrug 32, während sie bei 
der mercuriellen Behandlung 47 Tage betrug. Während im Val 
de Grace früher, bei Anwendung des Mercurs, 56 — 71, werden 
bei der neuen Behandlung nur 37 Tage erfordert. — Endlich 
haben die Beobachtungen, seitdem der Mercur nicht mehr oder 
nur in kleinen Gaben gereicht wird, in den Hospitälern ergeben: 
1) dass Rückfälle, secundäre Affectionen seltener Vorkommen, 
unbedeutender sind, und leichter gehoben werden; grössten Theils 
der einfachen Methode weichen; sehr wenige die Anwendung 
schweisstreibender Mittel erfordern. 2) Es würde gegenwärtig 
schwer fallen, so scheussliche Zerstörungen anzutreff’en, als die 
jenigen waren, womit Verf. seine Clinique etc., und der selige 
Dupont sein anatomisches Museum bereicherten. 3) ln Schwe 
den kamen von 1822 — 27 nur 7| Rückfälle auf 100, während 
bei der mercuriellen Behandlung, auf eine gleiche Zahl Kranker, 
14 Rückfälle kamen. 4) Knochenkrankheiten sind jetzt weit sel 
tener; in Portugal findet man deren fast gar nicht mehr. Sonst 
rechnete man in Schweden auf 100 Rückfälle 54 Knochenleiden, 
jetzt bei der einfachen Behandlung: 6|. (Dass Verf. die glück 
lichen Ergebnisse nur der Behandlung zuschreibt, ein Milderwer 
den der syphil. Leiden an -und für sich — nicht annimmt, we 
nigstens nicht ausspricht, scheint uns parteiisch. Darin, dass er 
den Gegnern (oder den nicht absoluten Anhängern) der einfachen 
Behandlung vorwirft, sie stritten nur mit der Feder in der Hand,
	        
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