Full text: (11. Band = 1835, No. 9-No. 16)

III. Pathologie, Therapie und medicinische Klinik. 155 
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philis nicht ausschliesslich dem Menschengeschlechte angehört; 
4) dass die venerischen Zufälle sich fast sämmtlich durch die 
alleinigen Kräfte der Natur heilen; 5) dass künstlich erregte Ge 
schwüre an den Gcschlechtstheilen — kein bestimmtes diagnosti 
sches Merkmal an sich tragen, wodurch sie von denen — nach 
einem ansteckenden Beischlafe unterschieden werden, und dass 
sie, gleich diesen, secundäre Affectionen zur Folge haben kön 
nen; 6) dass es ein grosser Irrthum ist, sich des Ausdrucks: 
allgemeiner Ansteckung zu bedienen, um damit secundäre, con 
stitutioneil genannte Affectionen zu bezeichnen; 7) dass man äus- 
serst selten eine syphilitische Diathesc findet, in welcher der 
ganze Organismus in Folge deB syphil. Ansteckungsprincips lei 
det, und dass folglich die syphil. Erblichkeit in die Geschichte 
der seltenen Fälle gehört. Vrf. geht nun zu der Behandlung 
über. Die alten Aerzte hatten eben so wenig, als sie keine be 
sondere Ursache bedingt annahmen, besondere specif. Mittel, 
welche sie den Krankheiten der Geschlechtstheile entgegensetzten. 
Sie bedienten sich derselben Mittel, welche sie gegen andere 
analoge Leiden in Gebrauch zogen. Den Mercur lernten sie 
erst später kennen, und lange ward er als ein schädliches Mit 
tel verworfen. Erst bei den arabischen Aerzten finden sich ei 
nige Spuren. Er ward gegen Hautkrankheiten im allgemeinen 
angewendet, allein keineswegs ausschliesslich gegen die Leiden 
an den Geschlechtstheilen. Erst einige Zeit nach der Epidemie 
von 1-494 fing man an, ihn gegen die Syphilis zu brauchen. Da 
mals stritten sich lange Zeit 2 Methoden um den Rang, nämlich 
die Speichel- und die Extinctionscur. Zum grossen Glück für 
die Menschheit, welche an den Folgen der verschiedenen Queck- 
silbercuren dahin sank, wurden die schweisstreibenden Hölzer in 
den Arzneivorrath aufgenommen. Sie wurden besonders gegen 
secundäre, constitutioneile und rebellische Krankheitsformen an 
gewendet. So lange strenge Diät damit verbunden war, leiste 
ten sie oft das Unglaubliche, allein als man in jener Strenge 
nachliess, so ward die Wirkung so unsicher, dass die Hölzer in 
grossen Misscrcdit und beinahe in gänzliche Vergessenheit gerie- 
then. ^ Das Gold, Opium und viele andere mineralische und ve 
getabilische in- und ausländische Medicamcnte halfen nun die 
Menge der antisyphil. Mittel vermehren. Schon hieraus erweist 
sich, wie man sich von jeher, sicherere Mittel, als der Mercur 
abgab, zu suchen, genöthigt sah. Nach und nach unterschied 
man die Zufälle, welche durch den Mercur erregt wurden, von 
denen, welche der venerischen Krankheit zugehörten. Man ver 
warf die ncutralisirende Eigenschaft des Metalls, man setzte die 
Existenz des Giftes in Zweifel, man versuchte mit Erfolg die 
IleihiDg der Syphilis ohne denselben, Die aufgeklärtesten Män 
ner arbeiteten eine medicinische Revolution vor, und von allen 
Seiten (T) hat man diese neue Bahn mit Feuer verfolgt.^ Die 
grössten Gegner der Theorie des Giftes gingen aus der Schule
	        
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