Full text: (11. Band = 1835, No. 9-No. 16)

154“ HL Pathologie, Therapie und medicinische Kliuik. 
Zpit in 4 Welttheilen bekannt. Entwickelt sie sich nicht von freien 
Stücken bei Menschen und Thieren? (?) So entsteht sie, nach 
Wejzemann (Wizmann) in der Türkei unter Einfluss der Tempera 
tur, der {^übenden Leidenschaft der Bewohner und der vielfachen 
Hautaussichläge. Der selige Cullerier, welcher so viele veneri 
sche Krankheiten behandelte, und welcher überdies der Krankheit 
ein Gift s:u Grunde legte, erkannte trotz dem ein freiwilliges Er 
zeugtwerden an. Die Krankheit der Bai von St. Pol (Paul), die 
Silbeus, der Scherliewo (vo), die Yaws und Plans, die Radzigee 
(Radesyge) waren syphil. Epdemieen, welche sich sämmtlich von 
freien Stücken entwickelten. — Als Resultat ergiebt sich daher, 
dass die Syphilis von jeher existirt hat, und dass sie hauptsächlich 
erzeugt wird durch liederlichen, ausschweifenden Lebenswandel 
und Unreinlichkeit. — Trotz dem setzen noch viele Aerzte das 
Wesen der Syphilis in ein besonderes Gift, welches durch die un 
mittelbare Berührung von einer kranken auf eine gesunde Person 
übertragen wird. Dies geheimnissvolle Wesen zieht willkürlich 
in dem Körper herum, bleibt oft in einem Theile desselben ver 
borgen, kommt daun plötzlich zum Ausbruche und bewirkt or 
ganische und functionelle Störungen. Die Theorie der Gifte, 
wodurch man viele Krankheiten zu erklären versuchte, schreibt 
sich aus der Mitte des 16. Jahrhunderts her. Viele geachtete 
Aerzte, unter denen auch Fernelius, der Gegner des Mercurs, 
unterstützten diese Theorie durch ihre Namen. Man bekannte 
laut, dass das Gift untilgbar, dass es auf Kind und Kindeskinder 
forterbe. Das syphil. Gift war nun überall, cs wurde die Quelle 
aller chronischen, selbst der entgegengesetztesten Krankheiten. 
Hieraus entstand die grösste Verwirrung. Man erzählte die lä 
cherlichsten und absurdesten Mährchen, deren Vrf. mehrere bei- 
hringt. — Wer jedoch einen Blick auf die Geschichte wirft, 
wird finden, wie sich schon seit Langem die ausgezeichnetsten 
Köpfe bemühten, diese unheilbringende Lehre umzustürzen. Es 
werden Boerhaave, van Swieten, Balfour, Ellis, Tode, Cock- 
rrunn (Cockherne) u. m. A. zum Beweise angeführt. Bald wird 
man der Ansicht, dass der Krankheit ein Gift zu Grunde liege, 
durch das Raisonnement uud die Erfahrung überführt, ganz ent 
sagen müssen. Man wird ein Ansteckungsprincip annehmen, wel 
ches sich von freien Stücken epidemisch erzeugen kann, und 
das man als das Resultat der geschlechtlichen Ausschweifungen 
ansehen wird. Die Syphilis zeigt nur eine Reihe krankhafter 
Reizungen. Warum soll man hier die Ursache verfolgen, wäh 
rend bei allen andern epidemischen, ansteckenden Krankheiten 
nur die Wirkungen bekämpft werden. In der Clinique de la ma- 
ladie Syphilitique hat Devergie folgende wichtige Fragen erör 
tert. Er hat gezeigt (?): 1) dass der Ansteckungsstoff nicht im 
mer dieselben Symptome erzeugt; 2) dass sich die Syphilis zwi 
schen gesunden Personen, unter gewissen Umständen, durch ge 
schlechtliche Ausschweifungen entwickeln kann; 8) dass die Sy-
	        
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