Full text: (11. Band = 1835, No. 9-No. 16)

III. Pathologie, Therapie und medicinisclie Klinik. 115 
cken zu können, weil es ihm nicht möglich sey, den Mund zu 
Öffnen. Genaue Untersuchung ergab völlige Mundklemme, die 
den Vrf. wieder auf die noch fortdauernde Steifigkeit des Rü 
ckens, die jetzt so bedeutend war, dass sich der Kranke im 
Bette nicht aufrichten konnte, aufmerksam machte. Dass wahrer 
Starrkrampf zugegen war, schien ausser Zweifel. Bäder, die 
STÜTz’sche Methode, Kalom. mit Opium, Aderlässe, Einreibun 
gen mit Ung. neajxol. in Rücken und Kiefer etc. blieben erfolg 
los. Die Contraction der Muskeln stieg täglich, die Mundklemme 
blieb unverändert, zuletzt litt auch die Brust und 11 Tage nach 
Anfänge der Krankheit erfolgte der Tod. Da weder äussere 
Wunden zugegen waren, noch Pat. sich erkältet hatte, so ist 
dieser Fall wohl merkwürdig. Der Vrf. hat wenigstens nirgends 
von einem solchen Ausgange fallsüchtiger Anfälle etwas gelesen. 
Bei der Section fand sich das Hirn gesund, nur war es sehr 
blutreich und seine markige Substanz sehr weich. Noch weicher 
war die Substanz des kleinen Gehirns — was für Wkvzel's An 
sicht vom Sitze der Fallsucht spricht. Ausserdem waren die 
Häute und das Mark im ganzen Rückgrate sehr mit Blut über 
füllt, so dass die Erscheinungen dieser Section mit denen über 
einstimmen, die man oft bei am Starrkrampfe Gestorbenen fand 
und die dazu Veranlassung gegeben haben, das Wesen dieser 
Krankheit in Rückenmarksentzündung zu suchen. [Casper's Wo 
chenschriftf. d. ges. Heil!;., 1835, Nr. 15.] 
82. Trismus und Tetanus in Folge von Entzün 
dung des Rückenmarks; vom Regim.-Arzte Dr. Richter in 
Düsseldorf. Ein 21jähriger, bisher stets gesunder Recrut be 
merkte am 23. Oct. 1831, ungefähr 3 Wochen nachdem er Sol 
dat geworden, da. er beim Abendessen nicht wie sonst kauen 
konnte, indem ihn Steifheit in den Backenmuskeln dabei hinderte. 
Ohne jedoch darauf sehr zu achten, legte er sich zu Bette, 
schlief aber unruhig, schreckte oft auf und konnte am nächsten 
Morgen nicht in den Stall gehen. Der Escadron - Chirurgus fand 
bei dem im Bette liegenden Kranken das Unvermögen, den Mund 
öffnen und schliessen zu können, die Masseleren fest, hart, im 
Gesichte krampfhaftes und Schmerz verrathendes Lächeln durch 
eigenes Verzerrtseyn ui.d Hervorspringen der kleinen Gesichts 
muskeln und Unmöglichkeit, den Kopf zu bewegen, indem sich 
besonders die Sternocleidomastoidei steif und hart, wie Holz an 
fühlten. Pat. erhielt eine Sol. tart. stibiat. und musste im Bette 
bleiben und warmen Thee trinken, da man Erkältung als Ursache 
des Erkrankens annahm. Noch au demselben Tage wurde Pat. 
ins Lazareth gebracht. In Bezug auf Entstehung des Uebels 
war durchaus nichts auszumitteln. Die erwähnten Symptome be 
standen fort, das Sensoriura war frei, Appetit, Puls und Stuhl 
gang regelmässig und Pat. klagte nur über allgemeine Abspan- 
' lun S, Geschlossenseyn des Mundes und Steifheit des Halses. 
Heftigen Frost und Hitze wollte er nicht bemerkt haben. Er 
Summarium d. Medicin. 1835. XI. 1°
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.