Full text: (11. Band = 1835, No. 9-No. 16)

142 III. Pathologie, Therapie und medlciitische Klinik. 
schlimmert und die Athmungsbeschwerden einen solchen Grad er 
langt, dass der Tod nicht mehr fern schien. Pat. lag noch fort 
während in derselben Lage ruhig auf dem Rücken, hatte den Kopf 
etwas nach hinten gebeugt und beide Arme weithin aufs Bett 
ausgestreckt, so dass sie mit dem übrigen Körper einen rechten 
Winkel bildeten. Diese, die Brust räumlich vergrössernde Aus 
breitung der Arme bewies deutlich die Schwierigkeit, Athen) zu 
holen, der auch nur kurz und ängstlich geschöpft wurde. Ge 
hustet hatte der Knabe durchaus noch nicht. Bei genauer Ue- 
berlegung des ganzen Standes der Sachen schien das Krankheits 
bild in seiner Elgenthiimlichkeit doch nicht ganz der ersten Dia 
gnose zu entsprechen, wenn auch, wie bekannt, gerade bei den 
heftigsten Lungenentzündungen, und namentlich bei Kindern, 
der Husten fehlt. In der ganzen Erscheinung lag ein in der 
That nicht zu beschreibendes Etwas, dessen Deutung die Erfah 
rung des Vrfs. überstieg. Indem er aber im Geiste alle krank 
haften Affectionen der Respirationgorgane durchging, fuhr ihm 
auf ein Mal der Gedanke wie ein Blitzstrahl durch den Kopf: 
sollte dies etwa die so seltene Erscheinung einer ßräuue ohne 
Husten seyn 1 Er suchte daher den Knaben - auf alle mögliche 
Weise zum Husten zu bereden, doch umsonst. Husten aber 
sollte der Kleine, wenn es irgend möglich wäre, durchaus. M. 
liess also Essig so erhitzen, dass er stark dampfte, richtete den 
Kuaben, was er sich willig gefallen liess, im Bett auf und liess 
ihn so die Essigdämpfe einatlimen. Kaum hatte er mit stummem, 
deutlich seinen Widerwillen ausdrückeudem Widerstreben etliche 
Athemzüge gethan, so hustete er und sielte, es war der voll 
kommenste, ausgeprägte ßräunehusten; Eine 'die Bräune recht 
gut kennende Frau rief dabei aus: es ist doch wohl nicht gar 
die Bräune? — ein Ausspruch, der hier gerade dem Verf. von 
grösster Wichtigkeit’ schien; Er verordnete nun sofort ein tüch 
tiges, aber gewöhnliches Brechmittel, worauf der Knabe durch 
mehrmaliges Erbrechen eine Menge Schleim und häutige Sub- 
stanzen entleerte. Hierauf wurden die Respirationsbeschwerden 
geringer und die Arme mehr dem Leibe genähert. M. liess nun 
zum zweiten Male Blutegel an den Hals setzen, da die entzünd 
liche Affection meist selbst nach geschehener Ausschwitzung, die 
hier überdies noch nicht beendigt schien, doch noch fortdauert 
und Pat. dazu kräftig und vollsaftig war, und gab dann Calom. 
mit Sulph. antim. aur., so dass einige Stuhlausleerungen erfolg 
ten. Als M. am nächsten Morgen ziemlich früh den Kranken 
wieder besuchte,' fand er ihn mit vergnügter Miene spielend und 
im Bett sitzend. In derNacht hatte er sehr gut geschlafen, und 
nur mit Mühe hatte man ihn erwecken und, nach erfolgten Aus 
leerungen , noch zu bestimmten Zeiten die Hälfte der genannten 
Pulver eingebeu können. Er hatte dann auch oft locker und 
leicht aufgehustet, allgemeinen, gelinden Schweiss gegen Mor 
gen gehabt und ganz natürlichen Urin gelassen, in dem sich nur
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.