Full text: (11. Band = 1835, No. 9-No. 16)

III. Pathologie, Therapie und medlcinische Klinik. 189 
hiezu uöthige Sitzen fällt ohnehin chronischen Brustkranken we 
niger beschwerlich als die horizontale Lage, und nur an Pneu 
monie Erkrankten und sehr erschöpften Phthisikern und Ilydro- 
pikern wird das Sitzen lästig seyn. Asthmatischen Personen lässt 
man den Kopf pur so lange beugen als die Percussion der Sca- 
pulargegend dauert. (Diu Fortsetzung folgt.) 
IT. Zur Lehre vom Pulse; von l)r. Hacker in Leipzig. 
Bei dem ersten Besuche eines unbekannten Kranken kann der 
Arzt nie über die Regelmässigkeit des Pulses entscheiden. Eine 
absolute giebt es nicht, nur eine relative, abhängig von der In 
dividualität des Organismus. Das Urtheil wird allerdings nach 
den Jahren modiiieirt; dies aber ist nicht ausreichend. Der Puls 
eines plethorischen Dreissigers mit sanguinischem Temperamente 
befolgt eine andere Kegel, als der eines 30jährigen saftlosen 
Melancholikers. Ja selbst bei gleichen Jahren, gleicher Consti 
tution, gleichem Temperamente geht der Puls eines Handarbei 
ters gewiss im Durchschnitte ganz anders als der eines Stuben 
gelehrten u. s. w. Inde sequitur: dass der Arzt, wenn möglich, 
den Puls in Zeiten des Nichtkrankseyns exploriren muss. Am 
Leichtesten möglich ist dies dem sogenannten Hausarzte. Dass 
der Puls, wenn eine Person steht, um 5 —15 Schläge in der 
Minute schneller geht, als wenn sie liegt, und bei 90—100 
Schlägen, um 20, ja 30 häufiger werden kann, scheinen Graves 
und Travers -Baklex erwiesen zu haben. Dass der Puls oft ein 
trügerischer Zeuge ist, beweist das Nervenfieber. Am ehrlichsten 
ist er, wie der Mensch, am Ende. r, 
78. Ueber Salivation in den letzten Stad’ien von 
Typhus; vom Prof. Dr. Otto in Copenhagen. Der Vrf. wun 
dert sich, dass man in den vielen Werken über den Typhus 
nicht die Salivation, als eine in den letzten Stadien desselben 
bisweilen vorkommende Erscheinung, näher erwähnt und richtig 
gewürdigt hat. Sie ist ihm in seiner Praxis schon mehrmals 
vorgekommen, auch hat er selbst, als er vor mehreren Jahren 
ein heftiges gefährliches Typhusfieber hatte, daran gelitten. Bei 
allen Kranken, wo er dieselbe wahrnahm, entstand sie entwe 
der kurz vor, oder gleich nach Aufhören des Fiebers und Be 
kämpfung aller sonstigen gefährlichen Erscheinungen. Bei ihm 
selbst trat sie erst ein, nachdem das heftige Fieber vorüber war, 
der Kopf frei geworden und die Wiedergenesung, obgleich die 
Zunge noch aphthös war, begonnen hatte und war von lästigster 
Mattigkeit begleitet. Er warf ungefähr 4 Wochen täglich 8 Un 
zen durchsichtigen zähen Schleim aus. In den letzten 14 Tagen 
nahm die Salivation allmählich ab und hörte erst ganz auf, als 
die Verdauung kräftig geworden war. Bei den andern Kranken 
war sie weder so bedeutend, noch langwierig. O. sieht die 
selbe für kritisch an und meint, dass sie aus derselben Ursache 
uls die oft gegen Ende des Typhus entstehenden Geschwülste 
der Parotis und Glandula- submaxillaris , nämlich aus gereiztem
	        
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