Full text: (11. Band = 1835, No. 9-No. 16)

VI. Gynäkologie und Fädiatrik. 123 
endlich die Schwangere dadurch Kindesbewegungen verrieth, dass 
sie oft angab: es führen ihr alle Tage grosse Würmer im Bau 
che herum. — Eine Veränderung des Wahnsinns war in der gan 
zen Schwangerschaft nicht zu bemerken. — Querlage des Kin 
des, bei der der linke Arm vorlag und die Wasser längst abge 
gangen waren, machten die Entbindung um so schwerer, als die; 
ihre Schwangerschaft nicht zugebende Frau weder von der Heb 
amme, noch dem Vf. etwas wissen wollte. Schnell nach einan 
der folgende Geburtswehen, welche die angeblichen Nadelstiche 
im Kreuze unerträglich machten, und der Vorwand, die stechende 
Nadel entfernen zu wollen, machten es endlich möglich, die Kreis- 
sende auf ein festes Wendungslager zu bringen und sie mittelst 
Wendung zu entbinden. Die Kreissende war, während dies ge 
schah, sehr unruhig, setzte sich oft aufrecht und musste daher 
von 3 Personen gehalten werden. Während der Entbindung selbs't 
und bei Lösung der ihrer ganzen Fläche nach angewachseneu 
sonst normalen Nachgeburt schrie sie anhaltend mit. heftiger 
Stimme. Ein bedeutender Blutabgang folgte nicht, wohl aber 
•J. Stunde nach der Entbindung lluhe und daun Erschöpfung, in 
der sie einige Stunden wenig sprach. Das reif und lebend ge 
borene Kind war von mittlerer Grösse und nicht stark, ist ßbei.’ 
bis jetzt völlig gesund. Es kam übrigens mit etwas deformem 
Kopfe, namentlich mit auffallend zugespitztem Hinterhauptknochen 
und Klumpfüssen zur Welt, doch sind die Gelenke der beiden 
Vorderfüsse ziemlich beweglich, ln der Gesichtsbildung lässit 
sich bis jetzt nichts Auffallendes sehen, nur ist die Nase etwan 
schief. Die bisweilen sich öffnenden Augen sind hell, glänzend! 
und der Blick von dem eines andern neugeboruen gesunden Kin 
des nicht verschieden. Convulsionen hat man noch nicht wahr-- 
genommen. Das Kind wird künstlich eruäbrt, weil hier das Stil 
len wohl nicht rathsam gewesen wäre. Spuren von Milch zeig 
ten sich erst mit dem 4. Tage und mit Eintritt derselben gab 
die Mutter endlich zu, dass sie ein Kind geboren. Sie verlangte 
es nun zum Anlegen an die Brust, doch konnte dies nicht zu&e- 
lassen werden 1) weil kaum erst Spuren von Milch sich vorfan 
den und die Brüste noclx leer und welk waren; 2) weil hinrni- 
tdiende Milchbereitung für die Zukunft nicht wahrscheinlich schi'en; 
3) weil diese durch nahrhafte gute Kost zu unterstützen wohl 
nicht zu wagen seyn dürfte, denn die Wöchnerin ist, seit sie 
entbunden, fortwährend und eben so wie vor derselben wahnsin 
nig. Nur einen Tag, am 5. Febr., also am 3. nach der Nieder 
kunft, war sie ungewöhnlich ruhig. Tags darauf war aber der 
Zustand der frühere und hielt seitdem ununterbrochen an. Ue- 
brigens ist sie so wohl, wie eine gesunde Wöchnerin sonst ist; 
4) weil es hauptsächlich gewagt seyn dürfte, einer Mutter von 
der Art ihr Kind zum Säugen anzuvertrauen. — Ob die Milch 
einer Wahnsinnigen ihrem Kinde nachtheilig seyn und Einflusi 
auf den künftigen Geisteszustand desselben äussern köune, d. h
	        
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