Full text: (11. Band = 1835, No. 9-No. 16)

V» Chirurgie und Ophthalmologie. US 
würde nicht eingetreten seyn, wenn die Blutung nicht, wie an 
gegeben, gestillt, die Wunden mit Bourdonnets ausgefüllt, oder 
fest bedeckt und pressende. Schienen oder einschnürende, noch 
so künstlich gestaltete Binden um den Oberschenkel gelegt w 
den wären. Dann hätten gesteigerte Schmerzen, gefährliche Ne^- 
venaffectionen, erhöhte Entzündungszufälle, tief zerstörende Eite 
rungen oder Brand höchst wahrscheinlich den Tod, da so viele 
nachtheilige Umstände zusammentrafen, herbeigeführt, [t'. Grä 
fe's u. v. Walther'8 Journ.f. Chir. u. Augenheilk., Bd. 22, //■ 1.] 
(50. Orthopädische Notizen aus Paris; von l)r. Hasse 
in Leipzig. — Man findet im Ganzen genommen in der nörd 
lichen Hälfte von Frankreich, so weit sie mir bekannt ist, nicht 
so viele Unglückliche, welche die Folgen der lthachitis an sich 
tragen, als im mittlern Deutschland. Sey es nun, dass die Skro- 
phelkrankheit überhaupt seltener ist* oder dass die körperliche 
Gewandtheit, das sorgfältigere Beachten der äusseren Haltung, wel 
ches den Franzosen wie angeboren scheint, das Schiefwerden 
verhindert, kurz man sieht in Frankreich in den Provinzen viel 
weniger Verkrümmte, und im Ganzen zeichnet sich besonders 
das weibliche Geschlecht durch einen viel feinem, regelmässigem 
Knochenbau aus, als man bei uns zu sehen gewohnt ist. Paris 
jedoch, wo sich, wie in allen grossen Städten, Krankheiten aller 
Art heimisch gemacht haben, enthält eine grosse Anzahl von 
Kindern, weiche in tieferm skrophulösem Leiden der Verkrüppe 
lung entgegen wachsen. Was früher zum Besten dieser Un 
glücklichen geschehen ist, weiss ich nicht; so viel ist aber ge 
wiss, dass man in Frankreich viel später als in Deutschland auf 
den G e danken. gekommen, durch eine methodische Behandlung 
den Verkrümmten Hülfe zu leisten. Es scheint, dass der geist 
volle Delpech in Montpe'lier einer der Ersten war, welcher die 
deutschen Ideen über Orthopädie auf französischen Boden ver 
pflanzte, und zwar mit einigen trefflichen Eigentümlichkeiten. 
Er verband nämlich gymnastische Uebungen mit der Behandlung 
durch reckende Maschinen und hielt zweckmässige Muskelan 
strengungen mit Recht für ein Haupterforderniss zur schnellem 
und sicherem Wiederherstellung. Wer hat nicht die leider nur 
zu oft begründeten Klagen darüber gehört, dass die. Mädchen, 
wenn sie aus der Behandlung der orthopädischen Institute kämen, 
elend und durchaus geschwächt wären, ja dass sehr viele der 
selben in kürzerer Zeit mehr oder weniger sich wieder nach der 
alten Verkrümmung hinneigten. Delpech nun ging von der Idee 
aus (freilich nicht als der Erste), dass so verkrümmte Mädchen 
von ihrem constitutionellen Leiden, welches das Uebel herbeige 
führt oder begünstigt hatte, noch nicht vollkommen befreit wä 
ren, dass sie, den grössten Theil des Tages in lästigen Maschi 
nen bewegungslos ausgespannt, von diesem Leideu nicht verlas 
sen , sondern im Gegentheile demselben mehr Preis gegeben wür 
den. Endlich bedachte er noch, dass solche Mädchen, während 
Sumviarium d. Medicin. 1835. XL ®
	        
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