Full text: (10. Band = 1835, No. 1-No. 8)

82 1. Pathologie, Therapie und medicinische Klinik. 
die unruhig werden, oder im gesammten Rumpfe, der sich nach 
rückwärts beugt. In einigen Minuten, oft noch schneller, ist 
der ganze Körper in Bewegungen, wie man sie beim Gähnen 
wahrnimmt. Allmählich entsteht nun heftiger Schmerz im obern 
Theile des Rückens, der sich immer höher erstreckt und end- 
lich den ganzen Kopf einnimmt. Ist das Uebel auf seiner Höhe, 
so muss Pat. schreien, und man hört danu sein Jammern Weit. 
Bald muss er sich nun auch räuspern und wirft viel Schleim und 
Speichel aus. Während des Schmerzes bewegen sich Rumpf 
and .Gliedmaassen gewaltsam; ersterer krümmt und biegt sich 
mannichfach, letztere werden hin- und hergeschleudert; beson- 
ders die Beine, denen gewaltsam auf etwas Hartes aufzuschla- 
gen, Bedürfniss ist. Da auch im heftigsten Schmerze das Be- 
wusstseyn unversehrt ist, so verletzt sich Pat. nie wesentlich, 
sondern kommt immer mit braunen und blauen Flecken davon. 
Auch kann er meist sprechen, wenn nicht Heftigkeit des Schmer- 
zes, oder krampfhafte Bewegungen der. Kinnlade daran hindern. 
Der Schmerz hält von 4 Stunde, bis 1 oder gar mehrere Stun- 
den an: ist nämlich gerade das Uebel sehr arg,.so bleibt auch 
im Nachlasse peinigender Schmerz im Rücken und Kopfe zu- 
rück, bis ein neuer Anfall sich einstellt. Im günstigern Falle 
dagegen hören die Schmerzen ganz auf und der noch eben furcht- 
bar gemarterte Kranke setzt sich zu Tische, unterhält sich ver- 
ständig etc. Wäre Pat. ein Mann, bei dem man an Simulation 
denken könnte, so würde man nothwendig darauf kommen müs- 
sen, doch würde nach Allem dadurch dem Pat. Unrecht gesche- 
hen. Strenges Pflichtgefühl hat ihn übrigens allein am Selbst- 
morde gehindert. An ärztlicher Hülfe längst verzweifelnd, greift 
er doch begierig nach jedem neuen Curplane. Alle Curmethoden, 
die auf Ausschläge, Syphilis, Gicht, Hämorrhoiden — wovon sich 
einige Male Spuren zeigten, ohne Einfluss auf das Uebel zu haben 
— und Neuralgie begründet werden können, sind erschöpft: Mer- 
curial- Hungercur , Sublimat, Sarsapar., Cupr. ammon., Lap. 
infern., Zink, Gold, Eisen, Bellad., Nux vomica , Strychnin, Mor- 
phium (letztere beide auch in endermatischer Form), Opium, Bil- 
senkraut , warme Bäder, Dämpfe, Douchen, Moxen, Eiterband, 
thierischer und mineralischer Magnetismus, Elektricität und Ho- 
mönpathie unter HAHnemann und in Petersburg haben sämmtlich 
nichts geholfen. Physiologisch merkwürdig ist der letzte Heilver- 
such, der 2 Monate vor dieser Mittheilung unternommen wurde. 
Ein anglo-americanischer Arzt behauptete ganz bestimmt, dass 
das Uebel besonderes im Nervus accessorius heider Seiten seinen 
Sitz habe, und drang auf Dorchschneidung desselben. Obgleich 
der Verf. und andere Aerzte dagegen waren, verlangte sie doch 
Pat. durchaus, und so durchschnitt denn Prof. BusaısKyY nicht nur 
die äusseren Zweige beider Nerv. access. beim Austritte aus den 
Musc. sternocleidomastoid., sondern schnitt auch, um unmittel- 
bares Verwachsen zu hindern, 3 Linien lang die Nerven aus.
	        
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