Full text: (10. Band = 1835, No. 1-No. 8)

L_  Pathologische Anatomie. 
ein gesunder Mensch plötzlich bei vollem Magen, 8o erscheint die 
Schleimhaut desselben nicht weiss, sondern lebhaft rosenroth, 
da die Gefäsenetze des Magens, wenn derselbe thätig. ist,‘ weit 
mehr Biut als sonst enthalten. Nicht selten sicht man einzelne 
Windungen des Dünndarms stark geröthet, ohne dass dies je- 
doch Zeichen von Entzündung wäre, Die Venen der untersten 
Windungen des Darmcanals füllen sich nämlich übermässig an, 
indem das noch flüssige Blut nach dem Tode in Folge seiner 
Schwere sich in die untersten Theile senkt. So sind die Theile 
des Dünndarms in der Beckenhöhle oft durch Blutanhäufung ge- 
röthet, ohne im Mindesten entzündet zu sein. Bei Erhängteu 
findet sich der ganze Darmcanal hochroth, auch die Schleimhaut 
der Luftröhre fand R. bei Erhängten von einem feinen Gefäss- 
netz überzogen und geröthet, sowie auch in diesem Fall nicht 
selten blutiger Schleim in der Luftröhre und ihren Aesten ge- 
funden wird. Oft ist der Saccus coecus des Magens von schmu- 
ziger Röthe überzogen, die alle seine Hänte durchdringt und in 
Ausschwitzung von Blut aus der nahen Milz nach dem Tode be- 
gründet scheint. — Ocffnet man einen in Fäulniss schon bedeu- 
tend vorgeschrittenen Leichnam, so findet man Magen und Darm- 
canal von schmuziger Röihe überzogen, da der aufgelöste Farb- 
stoff des Bluts nach und nach die Venenhäute durchdringt und 
so die Organe färbt. Manche Entzündungen der Schleimhaut 
des Magena, des Darmcanals und der Harnblase verrathen sich 
durchaus nicht durch rothe Färbung. So finden sich die Schlein- 
häute dieser Theile nach chronischer Entzündung häußg asch- 
grau, wenn auch kein Zeichen von Brand zugegen ist. - Kin kräf- 
tiger 44jähriger Mann litt seit einigen Monaten an Schwerver- 
daulichkeit, auf die beständiges Erbrechen folgte, so dass er am 
Ende selbst den Inhalt des Dünndarms ausbrach, es stellten sich 
heftige Leibschmerzen, brennender Durst und Fieber ein, der 
Unterleib war trommelförmig aufgetrieben und Stuhl erfolgte sel- 
ten. Bei der Section ergab sich ringförmige Structur des Co- 
Jon transversum: der Darm war hier so verengert, dass kaum 
ein Finger eindringen konnte und die Wände boten daselbst ring- 
förmige Verhärtung dar, Dünndarm und Dickdarm oberhalb der 
Verengerung waren ungewöhnlich erweitert (auch bei an einge- 
klemmtem Bruche Gestorbenen fand R. den Darmcanal oberhalb 
der eingeklemmten Stelle ausnehmend erweitert). Die Schleim- 
haut war vom Magen an aschgrau und gegen Ende des Dünu- 
darms fanden sich zahlreiche erbsengrosse Geschwürchen, in der 
ren Umkreise die Schleimhaut ebenfalls nicht roth, sondern grau 
war. An der Einmündungsstelle des Dünndarms fand sich ein 
handflächengrosses Geschwür, — Heftigere oder ausgedehntere 
Entzündung des Darmcanals als in der Ruhr findet sich weder 
bei einer andern Krankheit, noch bei Vergiftung. Die Schleim- 
haut des ganzen Dickdarms, oft auch des untern Theile des Dünn- 
darms zeigt boehe, durch feines Gefässnetz hervorgebrachte Rötha 
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