Full text: (10. Band = 1835, No. 1-No. 8)

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V. Gynäkologie und Pädiatrik. 
Vormittag des 1. Juni, den‘ der Wundarzt um Beistand ersucht 
hatte, weil seiner Üeberzeugung nach hier weder Schiefheit noch 
Schieflage des Uterus, sondern völlige Verwachsung des Mutter- 
mundes vorhanden war. H. fand die Kreissende von der fast 
4Ostündigen vergeblichen Geburtsarbeit sehr erschöpft, harten, 
häufigen Puls, trockne Zunge, immer noch empfindlichen Unter- 
leib, normale, nur wenig nach rechts von der Mittellinie mit dem 
Grunde abweichende Lage des Uterus, seinen unteren "Theil mit 
dem Kopfe bie an den Beckenausgang herabgedrängt, über den 
vorliegenden Schädeltheil einen fest anliegenden gespannten Ue- 
berzug bildend, den man: nach hinten ‘bis in die Aushöhlung 
des Kreuzbeins, nach vorn bis an den untern Rand der Symphyse, 
wenn man hier einen geringen Vorfall der vordern Scheide- 
wand zurückdrängte, umgehen konnte; seine Oberfläche gleich- 
mässig platt und nur bei der grössten Aufmerksamkeit vorn 
und oben, unmittelbar hinter und nur wenig oberhalb des untern 
Randes der Symphyse die bezeichneten Wülstchen, die kaum 
1’ erhaben mit dem Querdurchmesser des Beckens parallel et- 
wa 4‘ lang waren, doch fand sich weder zwischen ihnen eine 
Oeffnung noch überhaupt eine weitere Spur des Mutterhalses, 
Bei stark reklinirtem Oberkörper der Kreissenden auf dem er- 
höhten Querlager gelang es beiden Aerzten, diese Wülstchen 
nunmehr auch mit den Augen wahrzunehmen und ihre Beschaf- 
fenheit zu erkennen; aber :eine Oeffnung war nicht sichtbar, 
der etwa 14/// breite Raum zwischen beiden war festgeschlossen 
und unterschied sich in seinem Ansehen durchaus nicht von dem 
übrigen sichtbaren Theile des Uterus. KEs wurde daher nach 
den gehörigen Vorbereitungen jener Zwischenraum durch einen 
Schnitt behutsam mit der Absicht geöffnet, die Eihäute nicht mit 
zu verletzen, allein dies gelang nicht, das Fruchtwasser stürzte 
hervor. Die Wunde wurde nun nach beiden Seiten bis auf reichlich 
1” erweitert; die Frau klagte weder über besondern Schmerz 
bei der Operation, noch trat eine bedeutende Blutung ein. H., 
liess nun die kräftigen, ausdauernden Wehen eine Stunde lang 
allein wirken, aber der Muttermund erweiterte sich nicht, er 
blieb nach vorn und oben gerichtet und der den Scheitel kleppenar- 
tig umgebende hintere Theil der Vaginalportion wurde immer 
mehr in den Beckenausgang getrieben. Um daher dem Uebergange 
der künstlich bewirkten Oeffnung in einen Gebärmutterriss vor- 
zubeugen, erweiterte H. dieselbe mit seinen durch KLıuGE’s Pin- 
cette zur Erregung der künstlichen Frühgeburt ausgedehnten 
Fingern und zog den Kopf leicht mit der Zange hervor, dem 
bald durch eine Wehe der ührige Körper eines lebenden, wohl- 
genährten Mädchens folgte; der Uterus contrahirte sich kräftig, 
und die Nachgeburt folgte bald, die hintere Hälfte der Vaginal- 
portion bildete immer noch eine beutelartige Erweiterung, der 
Muttermund war noch nach vorn gerichtet; die Wöchnerin fühlte 
sich wohl bis auf eine mässige Empfindlichkeit. des Unterleibes.
	        
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