Full text: (10. Band = 1835, No. 1-No. 8)

IV. Chirurgie und Ophthalmologie. 
23. Juni, doch klagte Pat. an den zwei letzten Tagen etwas 
mehr über Kopfschmerz und gab an, dass bis gegen 9 Uhr früh 
jetzt alles recht gut sey, dann aber fange der Kopf zu schmerzen 
an, das Auge leide mehr und so gehe es bis Nachmittags 3 Uhr, 
worauf es sich Abends allmählich wieder bessere. Die Nacht 
schlafe er in der Regel ruhig. Dass mir diese Angabe nicht 
unwichtig seyn konnte, versteht sich wohl von selbst, und der 
gleiche Bericht am 24, und 25. Juni, an welchen beiden Tagen 
die Entzündung der Sclerotica nicht weiter ab- aber auch durch- 
aus nicht zugenommen hatte, machte es mir natürlich zur Pflicht, 
äcn Kranken, der mich bisher immer bald Morgens nach 10 Uhr, 
oder bald nach dem Mittagsessen besucht hatte, in den nächsten 
Tagen zu verschiedenen Zeiten zu sehen, wobei sich mir denn 
Folgendes ergab: bis früh 9 Uhr befand sich Pat. recht wohl, 
gab weder Schmerz im Auge, noch im Kopfe an und das Auge 
zeigte nichts, als eine leichte Reizung der Bindehaut der Lider 
und der Solerotica, Gegen 9 Uhr fing der Kopf, besonders in 
der rechten Stirngegend zu schmerzen an, das Auge wurde rö- 
ther und röther und begann zu schmerzen, ausser der Binde- 
haut Htt nun auch ganz deutlich die Sclerotica, das Auge wurde 
empfindlicher gegen das Licht, thränte und das Schvermögen 
war etwas benommen. So stiegen bis gegen 12 Uhr alle die ge- 
nannten‘ Erscheinungen, hielten ungefähr gegen 1 Stunde auf 
ihrer Höhe an, nahmen dann allmäblich wieder ab und verloren 
sich nach 3 Uhr immermehr. Abends war der Kopf nur leicht 
benommen und das Auge wie am Morgen vor 9 Uhr. Das linke Auge 
war, wenn das rechte stark litt, leicht gereizt. Veränderungen 
des Pulses , oder der Hauttemperatur wurden nicht wahrgenom- 
men und ausser etwas verminderten Esslust und einer mir eigen 
vorkommenden Trockenheit der Lippen konnte ich durchaus nichts 
Krankhaftes auffinden. Um die Beobachtung möglichst rein zu 
erhalten, war ich in den letzten Tagen nur negativ verfahren, 
am 29, Juni jedoch, wo ich nicht mehr daran zweifeln konnte, 
dass ich, wie ich schon seit einigen Tagen vermuthet hatte, 
eine intermittirende Entzündung der Sclerotica mit eintägigem 
Typus vor mir habe, verordnete ich vier Pulver, von denen je- 
des einen Gran Chininum sulphuricum enthielt und liess den 
Kranken am Abende des 29. Juni um 6 und um 9 Uhr und 
am Morgen des 30. Früh um 5 und 8 Uhr ein Stück nehmen, 
worauf der Anfall am letztgenannten Tage erst gegen 12 Uhr 
eintrat, minder heftig als früher war, doch sonst eben so sich 
gestaltete und gegen 3 Uhr den Kranken verliess, Wenn es auch 
hiernach zu erwarten gewesen wäre, dass am nächsten Tage der 
Anfall ganz ausbleiben werde, so liess ich doch, um möglichst 
sicher zu gehen, am 30. Abends und am ersten Juli Früh noch- 
mals 4 gr. Chinin, sulph. auf die erwähnte Weise verbrauchen. 
Obgleich dies aber geschehen war, wurde Pat. doch von 12 Uhr 
Mittags bis gegen 3 Uhr von etwas Schmerz jm Kopfe und be- 
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