Full text: (10. Band = 1835, No. 1-No. 8)

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IV. Gynäkologie und Pädiatrik, 
hier der Rücken des Fötus fest an der vordern Wand des Uterus 
anliegen; wenn die Lendenwirbel des Fötus nicht anliegen, so 
hört man die Pulsation nur nahe über der Symphyse; liegt der 
Steiss an, die Brust aber nicht, so hört man sie nur in der Na- 
beigegend der- Mutter, was namentlich in der 3. und 4. Geburts- 
periode häufig vorkomnt. A. konnte dem zufolge jedesmal nach 
der äusseren Untersuchung genau bestimmen, wo der Fötalpuls 
gesucht werden müsse; sein Ton ist im Umfange des Thorax 
des Fötus härter, und man vernimmt ihn auch an der hintern 
Seite der Lenden- und Steissgegend, der Ton pflanzt sich in- 
dess auch wohl durch dass Fruchtwasser fort, denn oft vernimmt 
man den dierotirenden Puls an einer von der Direktion der kind- 
lichen Wirbelsäule ganz abweichenden Stelle. Bei regelmässigen, 
nicht zu lange anhaltenden Wehen verändert sich die Fötalpul- 
sation, sowohl der Stärke als Schnelligkeit nach, kaum merklich; 
lie vermehrte Bewegung des Fötus während einer Wehe macht 
sie öfters schneller; bei lange dauernden Wehen aber entsteht 
Stagnation in der Placenta, und dann scheint sich der dicroti- 
rende Puls in. die Ferne zu ziehen, oder für den Augenblick ganz 
zu verschwinden. Nach beendigter Contraction hört man ihn wie- 
der, aber die ersten 7—8 Schläge sind langsam und voll, und 
erst allmählig tritt die vorige Schnelligkeit, wieder ein. Der di“ 
crotirende Puls ist ein unzweifelhaftes Zeichen vorhandener 
Schwangerschaft, selbst wenn alle andern Zeichen dagegen spre- 
chen, und zwar das einzige. Zwillingsschwangerschaft ist sehr 
schwer und nur dann sicher danach zu bestimmen, wenn man 
der Duplicität und Verschiedenheit der Fötalpulsationen im Ute- 
rus ganz sicher ist; nothwendig müssen daher 2 Individuen zu- 
gleich auscultiren, die an verschiedenen Stellen die Stärke und 
Schnelligkeit durch lautes Zählen der Schläge oder durch den 
Vergleich ihrer Häufigkeit während einer gegebenen Zeit ermit- 
teln. Noch schwieriger ist die Diagnose bei Drillingsschwanger- 
schaft. Da sowohl der vordere als hintere Theil des Thorax Lei- 
ter des Fötalpulses seyn kann, so lässt sich unter den normalen 
Kindeslagen die erste Kopflage von der 3. und die 2. von der 
4. sehr schwer unterscheiden. Einige Kriterien indess lassen die 
Lage theils mit grosser Wahrscheinlichkeit, theils selbst mit Ge- 
wissheit bestimmen, Die Lage iet höchst wahrscheinlich die 1. 
oder 2., wenn man den Fötalpuls rechts oder links in der Nähe 
der inea alba hört und äusserlich deutlich den Steiss fühlt; ganz 
gewiss aber ist es eine 1. oder 2. Hinterhauptslage, wenn man 
ihn von der Symphyse an bis in die regio hypogastr. oder me- 
sogastr. der rechten oder linken Seite verfolgen kann: weil dann 
der Rücken des Fötus jedenfalls nach der vordern Uteruswan- 
dung zuliegt. Bisweilen kann man wohl eine 3. oder 4. Hinter- 
hauptslage annehmen, wenn der Fötalpuls nicht weit zum Nabel der 
Mutter heraufsteigt, sondern mehr in der linea alba und reg. 
hypogzastr. gehört wird. Auch Steisslagen will man durch den
	        
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