Full text: (10. Band = 1835, No. 1-No. 8)

ji. Pathologie, Therapie und medicinische Klinik. + 473 
unnütz seyn, zur Bestätigung des Gesagten, eine Reihe von Kran- 
kengeschichten folgen. zu lassen, da alle einander ziemlich gleich 
aussehen, und einzelne nur durch die Nothwendigkeit einer mehr« 
maligen Wiederholung der Cur sich unterscheiden, . Kines einzi- 
gen Falles jedoch will ich gedenken, der vielleicht insofern einiges 
Interesse gewähren mag, als er beweist, dass auch nach einer voll» 
ständigen Entfernung des Wurms der Kranke nicht als für immer 
geheilt zu betrachten ist, sondern dass entweder die zur Entste- 
hung der Bandwürmer erforderlichen Bedingungen im Organismus 
öfters noch fortdauern, und mithin neue Würmer sich bilden, oder 
auch, dass gleichzeitig mehrere Bandwürmer, vielleicht von verschie- 
dener Grösse, ‚wie ScHmmt bemerkt, vorhanden sind, von denen 
nur einer zuweilen entfernt. wird, und die übrigen nun um so 
schneller sich ausbilden. Ein Fleischer von 34 Jahren, von kräf- 
tigem, muskulösem Körperhaue, aber blasser Gesichtsfarbe, litt 
seit mehreren Jahren an mannichfaltigen Verdauungsbeschwerden; 
bald klagte er über Appetitlosigkeit und Neigung zu Hartleibigkeit, 
bald über ein öfteres Gefühl von Heisshunger und Diarrhöe; ein- 
zelne. Speisen ,. besonders diejenigen, welche Essig und Oel ent- 
hielten, verursachten fast immer heftige Leibschmerzen, oder wur- 
den wohl auch wieder weggebrochen;. die Zunge war stets weiss 
belegt; nicht selten trat Schwindel und Kopfschmerz ein u. 8, w.— 
Im März 1834 zeigten sich zum. ersten Male freiwillig einige Glie- 
der des Bandwurms. Noch an demselben Tage begann der Kranke 
die genannte. Cur, und Tags darauf gegen 9 Uhr des Morgens er- 
folgte der Abgang eines vollständigen, etwa 10 Ellen langen Wurms 
mit Kopf und Zubehör, in einem einzigen Stücke, Die schnelle 
Wirkung des Rieinusöls wurde in diesem Falle wahrscheinlich da- 
durch begünstigt, dass schon seit mehreren Tagen eine Neigung zu 
Diarrhöe bestanden hatte. . Von dieser Zeit an erholte sich der 
Kranke und blieb von den erwähnten Unterleibsbeschwerden ei- 
nige Monate lang fast völlig befreit... Anfangs October jedoch er- 
schienen dieselben in der Mehrzahl wieder, und im Nov., wo der 
Kranke sich ein Mal einen reichlichen Genuss ‚von frischem Obste 
erlaubt hatte, kamen abermals Glieder eines Bandwurms zum Vor- 
schein. Die Our wurde augenblicklich wiederholt; dies Mal aber 
statt des Ricinusöls das Crotonöl in obiger Mischung gegeben, weil 
der Kranke in der letztern Zeit an Hartleibigkeit und zuweilen an 
mehrtägiger Verstopfung gelitten hatte. Die Wirkung der Mittel 
war eben so überraschend, als das erste Mal. Gegen 10 Uhr des 
Vormittags ging der Wurm ab, ohne dass der Kranke mehr in die- 
ser Stunde empfunden hätte, als Neigung zu Uebelkeiten und etwas 
heftigere Leibschmerzen. Bei Untersuchung der auffallend zros- 
sen Masse Wurm ergab sich, dass cs zwei vollkommne, man- 
nigfaltig in einauder verschlungene Bandwürmer waren, von de- 
nen jeder in seiner Continuität unverletzt war bis } Elle ‚von 
dem Kopfende, wo eine Zerreissung Statt gefunden hatte. Beide 
Halsstücke aber mit dem daran ‚sitzenden Kopfe lagen frei und
	        
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